Botschafter der Berge

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Viel erlebt, viel geschaffen: Messner bei einem seiner sechs Museen. Viel erlebt, viel geschaffen: Messner bei einem seiner sechs Museen. Foto: Georg Trappeiner

Sie hat für Reinhold Messner geplant. Ein Museum. Für den Berg, hoch oben. Sie hat für die NürnbergMesse geplant. Eine Ausstellungshalle. In der Ebene, im Messezentrum. Beides erst kürzlich, noch vor ihrem plötzlichen Tod diesen Jahres. Messner: „Es war ihr letztes Projekt.“ Hätte man das gedacht? Reinhold Messner und Zaha Hadid? Heimatverbundener Über-Bergsteiger, Bezwinger von 14 Achttausendern und die Star-Architektin, Vordenkerin futuristischer Megalopolen? Jetzt steht das Museum oben auf dem Kronplatz in Südtirol, Fanal der Messnerschen Berg-Botschaft, als letztes seines Messner-Mountain-Museen-Sextetts.

Grenzen des erträglichen

Reinhold Messner und Geoffrey Glaser

Messen führen Menschen zusammen: Unser Autor und Reinhold Messner trafen sich schon zum zweiten Mal bei einer Messe in Nürnberg. Foto: NürnbergMesse/Frank Boxler

Vielleicht waren sich die aus dem Irak stammende Londonerin und der in Südtirol lebende Abenteurer ähnlicher als gedacht – Hadid ging zu Lebzeiten ebenso an die Grenzen des baulich machbaren wie Messner an die für einen Menschen erträglichen und überlebbaren. Doch während die Architektin in ihrem Leben erst spät Ruhm erfuhr und Geschichte schrieb, ist Messner schon längst eine Legende. Natürlich weil seine Aktionen spektakulär waren – als erster Mensch auf dem Mount Everest ohne unterstützende Sauerstoffzufuhr. Weil er als Felskletterer extremer und mutiger war als andere. Vielleicht aber auch, weil er sich immer wieder neu erfunden hat. Nachdem die Felskletterphase vorbei war, wurde er Höhenbergsteiger. „Das hört sich verwandt an – der Unterschied zwischen dem Felsklettern und dem Höhenbergsteigen ist aber ungleich größer als zwischen einem Hundert-Meter-Lauf und einem Marathon.“

 

„War mir das peinlich!“

Als alle Achttausender bezwungen waren, die großen Wüsten durchmessen, erfand sich Messner wieder neu. Gezwungenermaßen. Durch einen Unfall zu Hause länger gehandicapt („ich bin von einer Mauer gefallen, war mir das peinlich!“), wandte er sich der inhaltlichen Erarbeitung des Bergthemas zu. Die Ergebnisse hat er in sechs Museen verarbeitet und ausgestellt. Jedes dieser Museen steht auf einem anderen Gipfel, ist einem anderen Thema gewidmet. Bis zum Ende des Jahres steht Messner seinem Vermächtnis selbst vor, dann übernimmt seine älteste Tochter die Leitung. „Das ist mein Erbe. 20 Jahre lang habe ich an dieser Museumsstruktur gearbeitet, bringe Mensch und Berg zusammen – auch von der kulturellen und spirituellen Seite her.“

„Ich möchte die großen Berge einem breiten Publikum näher bringen.“

Vom Bergsteiger zum Museumsdirektor

Messner ist der Bergsteiger, der Museumdirektor wurde. Ein Ausstellungsfachmann. Auf Messen und Kongressen ist er denn auch häufig zu Gast, wiederholt auch in Nürnberg – diesmal auf der Verpackungsfachmesse FachPack. Messner ernst: „Ich bin Veranstalter wie Sie. Ein Dienstleister für die über 200.000 Besucher, die jedes Jahr in meine Museen kommen.“ Jetzt beginnt er wieder etwas Neues. Er hat schon begonnen. „Es gibt nichts langweiligeres als Wiederholungen“, findet er, und drum macht er jetzt Filme. Das ist neu für den 72-Jährigen. Natürlich drehen sie sich um sein Lebensthema. Der Berg-Botschafter in Aktion. „Der Berg lässt mich einfach nicht los“, schmunzelt der Südtiroler. Ob ein pädagogischer Impuls dahintersteckt? Messner verneint vehement. „Ich will niemanden belehren. Ich bin ein Geschichtenerzähler, weiter nichts.“

Geschichtenerzähler

Messner weiß mittlerweile, wie aufwändig das Geschichtenerzählen per Film ist, wie lange es dauert, bis ein Ergebnis vorliegt. Seine Motivation jedoch ist die Sache an sich, sagt er: „Ich möchte die großen Berge einem breiten Publikum näher bringen.“ Messner will zwar kein Pädagoge sein – der Botschafter der Berge ist er allemal. In seinen Museen werden auch seine Filme laufen. Denen fühlt er sich verpflichtet. Auch wenn er das aktive Geschäft nicht mehr lenken wird – ganz loslassen will er es nicht. Jetzt gerade treibt ihn die Feuchtigkeit um im Museum Fort Monte Rite auf dem Berg Monte Rite im Cadore. „Die kriegt man nicht mehr weg“, bedauert er. Und verrät verschmitzt, dass er schon weiterdenkt: „Vielleicht baue ich nochmal ein Museum.“

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