Die Freiheit, nachhaltig zu handeln

Interview mit Dr. Felix Prinz zu Löwenstein /// von 

NM fair.mag Interview mit Prinz Felix zu Löwenstein Photo: Dirk Hinz / photocase.de

Messen bieten eine reiche Vielfalt an Produkten und Ideen, aber auch an Geschäfts- und Kooperationsmöglichkeiten. Die Vielfalt und Vielschichtigkeit wird immer wieder unmittelbar erlebbar gemacht. Ein Beispiel dafür ist die BIOFACH, die sich am Standort Nürnberg zur Weltleitmesse für Bioprodukte entwickelt hat. Mit über 2.200 Ausstellern und zahlreichen Erlebniswelten präsentiert sie die unvergleichliche Vielfalt von Biolebensmitteln.

Frage 1
Dr. Prinz zu Löwenstein, Freiheit ist ja auch immer die Freiheit des Anderen. Sie sind selbst Agrarwissenschaftler und Biolandwirt sowie als Vorsitzender des BÖLW politischer Vertreter der deutschen Bio-Branche. Wenn man nun davon ausgeht, dass Bio-Landwirtschaft auch zukünftigen Generationen sauberes Wasser und gesunde Böden ermöglicht, ist die Bio-Landwirtschaft letztlich eine Freiheits-Landwirtschaft?
Dr. Prinz zu Löwenstein: Eine der schwerwiegendsten Veränderungen seit Beginn der technischen Revolution im 19. Jahrhundert besteht darin, dass sich die Auswirkungen unseres Tuns und die sich daraus ergebende Verantwortung nicht auf die Zeitgenossen um uns herum beschränken. Wir beeinflussen die Lebensumstände von Menschen auf anderen Kontinenten ebenso wie die von vielen Generationen nach uns. Wir tun das sehr wesentlich durch den Umgang mit den natürlichen Ressourcen in der Landwirtschaft. Das Ziel des Ökolandbaus ist es, Stoffkreisläufe zu schließen und den Verbrauch endlicher Rohstoffe ebenso wie die Verschlechterung unserer Lebensgrundlagen zu beenden. Erst wenn das gelungen ist, erzeugen wir unsere Nahrung nachhaltig.

NM fair.mag Interview mit Prinz Felix zu Löwenstein

Prinz Felix zu Löwenstein auf der BIOFACH 2015, Foto: NürnbergMesse

Frage 2
Bleiben wir noch bei dem Bild von Boden und Wasser. Elemente, die ja die Menschen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld vorfinden. Welche Rolle spielt Bio in Kommunen und Landkreisen?
Dr. Prinz zu Löwenstein: Kommunen und Landkreise haben großes Interesse an der Belebung regionaler Wertschöpfungsketten und am Schutz der natürlichen Ressourcen, zu deren wichtigsten der Boden und das Trinkwasser zählen. Die Menschen, die dort leben, haben die Nachfragemacht zu bestimmen, wie bei der Produktion ihrer Lebensmittel damit umgegangen wird. Es gibt – das zeigen Mut machende Beispiele – den politischen Spielraum, der hier einen Unterschied machen kann. Städte und ihre Bewohner brauchen sich nicht anonymen Lieferketten zu unterwerfen. Sie können neue Beziehungen zwischen Stadt und Land knüpfen. Und sie können die Chancen der ökologischen Wirtschaftsweise erhöhen. Dass Nürnberg hier vorangeht, ist nur folgerichtig – denn Nürnberg ist die Heimatstadt der BIOFACH.
Frage 3
Wenn Sie die Freiheit hätten: Welche würden Sie sich nehmen?
Dr. Prinz zu Löwenstein: Seit Jahren nehme ich mir bereits eine Freiheit: mich mit der Arbeit für die Verbände des Ökologischen Landbaus zu engagieren und Sachbücher zu schreiben. Dass das möglich ist, liegt an Menschen, die über viele Jahre meine Land und Forstwirtschaft immer selbstständiger im Alltag geführt haben, und daran, dass ich den Betrieb im Sommer 2014 an die nächste Generation übergeben durfte. Mir ist bewusst, dass dies ein großes Privileg ist!

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