„Mit Lachen und Humor erreicht man viel mehr.“

Schauspieler, Journalist, Filmemacher - und Flüchtling. Auf der ConSozial spricht Firas Alshater über seine bewegende Biografie. /// von 

Firas Ashater; Foto: Lutz Jäkel

Firas Alshater ist ein syrischer Schauspieler, freier Journalist, Autor und YouTuber. Er wuchs in Damaskus auf und studierte dort Schauspiel. Im Jahr 2011 gehörte Alshater zu den Mitorganisatoren der ersten Demonstrationen gegen die Assad-Regierung und wurde aufgrund regimekritischer Aussagen für neun Monate gefangen gehalten sowie gefoltert. Zu seiner eigenen Sicherheit verließ er im Oktober 2012 Damaskus und lebte kurzzeitig in der Türkei. Um den Film „Syria Inside“ seines verstorbenen Freundes Tamer Alawan zu editieren, ging Alshater schließlich nach Deutschland. Zusammen mit dem deutschen Filmproduzenten Jan Heilig veröffentlichte er diesen Ende 2013. Seitdem lebt Alshater in Berlin und erhielt im selben Jahr Asyl in Deutschland. Zusammen mit Heilig startete er im Januar 2016 den YouTube-Kanal Zukar, dessen erstes Video „Wer sind diese Deutschen?“ über 2,5 Millionen Mal auf YouTube angesehen wurde. Alshater gilt seitdem als „Deutschlands erster Flüchtlings-Youtuber“. Als Redner tritt Alshater bei der diesjährigen ConSozial auf und erzählt aus seiner Biografie „Ich gehe auf Deutschland zu“. Wir trafen den 25-Jährigen zu einem Interview.

„Ich bin syrischer Flüchtling. Ich vertraue dir – vertraust du mir? Umarme mich!“ Mit diesem Plakat stellten Sie sich im Februar 2016 auf den Alexanderplatz, um herauszufinden, wie Flüchtlinge bei den Deutschen ankommen. Wie kamen Sie auf die Idee und wie erging es Ihnen bei dieser Aktion?

Firas Ashater; Foto: Lutz Jäkel

Als die ersten Flüchtlinge in Deutschland ankamen wurden sie von vielen herzlichst aufgenommen. Gleichzeitig ging dann aber das Gerede über Pegida los. Ich fragte mich zu dem Zeitpunkt, waren die Deutschen auf einmal rassistisch geworden und wollte mit meiner Handlung die Reaktionen der Leute bewusst testen. Als ich dann am Alexanderplatz stand, habe ich erst mal ewig gewartet, bis jemand auf mich zukam. Ich habe mich dabei immer wieder gefragt, ob es sich lohnt zu warten, ob jemand darauf eingeht und ob meine Idee überhaupt Sinn macht. Irgendwann begann sich das Vertrauen der Menschen aufzubauen und nach der ersten Umarmung folgten immer mehr.
Auf Ihren YouTube-Kanälen Zukar und Firas Al Shater bereiten Sie Ihre Erfahrungen in Deutschland humorvoll auf. Ihr Video „Wer sind diese Deutschen?“ wurde fast eine Millionen Mal aufgerufen. Haben Sie damit gerechnet, dass Ihre Lebensgeschichte über Nacht so viele Menschen faszinieren wird?
Nein, es war eine absolute Überraschung. Mit so etwas kann man nicht rechnen. Aber es hat mich motiviert unbedingt weiterzumachen und noch mehr Videos zu drehen. Für mich war der Sinn hinter den Videos etwas mit Humor zu machen, ganz ohne Hass.

Firas Ashater; Foto: Lutz Jäkel

Zu diesem Thema halten Sie auf der diesjährigen ConSozial auch einen Vortrag: „Ich hab genug Hass gesehen. Mit Lachen und Humor erreicht man viel mehr“. Geben Sie uns schon mal einen kleinen Einblick, worauf wir uns freuen dürfen?
Ich werde aus meinem Buch „Ich komm auf Deutschland zu“ vorlesen und mehr darüber erzählen. Es wird ein interaktiver Vortrag werden.
In Ihrem angesprochenen Buch erzählen Sie auch von Ihrer neunmonatigen Haft in Syrien. Es sind furchtbare Szenen, die sich zu dem Zeitpunkt in Ihrem Leben abspielten. Gleichzeitig berichten Sie humorvoll über Ihre Eindrücke von Deutschland. Was inspirierte Sie dazu, dieses Buch zu schreiben?
Nachdem mein YouTube-Kanal erfolgreich durchstartete, kamen einige Verlage auf mich zu und wollten, dass ich meine Lebensgeschichte erzähle. Zuerst hat mich das sehr verwundert, da ich zwar schon immer eine Biographie schreiben wollte, aber dachte, dass mache ich mit 50 und nicht mit 25.
Das Thema der diesjährigen ConSozial ist Inklusion. Was muss Ihrer Meinung nach geschehen oder berücksichtigt werden, damit die Inklusion von Flüchtlingen in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden kann?
Ich denke das Wichtigste ist, die Flüchtlinge zu akzeptieren so wie sie sind, ihnen Zeit zu geben die Sprache zu lernen und Geduld mit ihnen zu haben. Man muss ihnen einfach nur die Zeit geben sich einzugliedern.
In einem Interview mit dem Online-Nachrichtenmagazin „derStandard.at“ scherzten Sie, dass Sie mittlerweile nicht mehr so geduldig sind wie früher. Haben sich noch weitere Gewohnheiten bei Ihnen geändert?
Nein, es ist hauptsächlich die Geduld, welche mir ein wenig abhandengekommen ist. Ich merke schon, dass es mich zum Beispiel hier viel mehr aufregt auf einen unpünktlichen Bus zu warten, als damals in Syrien, obwohl diese wesentlich später eintrafen.
Vielen Dank für das nette Gespräch.

Die ConSozial findet vom 7. bis 8. November 2017 im Messezentrum Nürnberg statt.

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