„Messen können zaubern“

Ein Interview mit Walter Mennekes, Vorsitzender des Ausstellungs- und Messeausschusses der Deutschen Wirtschaft (AUMA), zur Zukunft von Messen. /// von 

chillventa "Messen als Showroom des Fortschritts"; Foto: NürnbergMesse

Walter Mennekes ist geschäftsführender Gesellschafter der Firma Mennekes Elektrotechnik GmbH und Co. KG sowie in seiner zweiten Amtsperiode Vorsitzender des Ausstellungs- und Messeausschusses der Deutschen Wirtschaft, AUMA. Der Verband vertritt die Interessen der Aussteller, Veranstalter und Besucher von Messen in Deutschland. Gegründet 1907 in Berlin als damalige ständige Ausstellungskommission für die deutsche Industrie ist der Verband einer der ältesten der Dienstleistungswirtschaft.

Walter Mennekes

Walter Mennekes, Vorsitzender AUMA. Foto: AUMA

Am Ende müssen Messen sich immer auch messen lassen. Wo sehen Sie für Messemacher die größten Herausforderungen auf dem Weg zu einer erfolgreichen Veranstaltung?
Walter Mennekes: Mal so gesagt: Messen können zaubern. Sie verwandeln innovative in nützliche, alltagstaugliche Produkte und zu guter Letzt in schwarze Zahlen. Somit erheben sie den Anspruch, zentrale Höhepunkte im Wirtschaftsleben einer Branche zu sein. Jeder, ob Veranstalter, Anbieter oder Kunde, muss damit rechnen, dass er auf Messen mit der Präsentation neuartiger Produkte die Gelegenheit zu vielfältigem und intensivem Kontakt mit Kunden erhält. Deshalb ist und bleibt optimale Messequalität für alle Messenutzer der herausfordernde Anspruch. Er ist dann erfüllt, wenn Messen zu den bestmöglichen Bedingungen – also professionell – organisiert sind. Dass ein Messeergebnis sich messen lassen muss, ist selbstverständlich. Dafür gibt es glasklare Kriterien.
Würden Sie sagen, dass aus einer guten Idee automatisch auch eine gute Messe wird? Und: Wie wichtig ist in diesem Zusammenspiel der Faktor Mensch?
Walter Mennekes: Zunächst gilt, zwischen dem, was sich bewährt hat, und dem, was neu ist, die Balance zu halten. Gute Ideen, wenn man sie denn hat, 1:1 umzusetzen, sind nie einfach. Und „der Faktor Mensch“ lässt sich nun mal auf keine griffige Formel bringen. Deshalb ist ja gerade – z. B. im Gegensatz zu Mausklicks im Onlinehandel – der unschätzbare Vorteil von Messen, dass sich die Interessenten offline, face-to-face, persönlich, gewissermaßen mit allen Sinnen, ergo mit Feingefühl gegenseitig in ihren jeweils

„Messen sind und bleiben der unverzichtbare Resonanzraum für immer wieder bessere Produkte.“

etwas anderen Wünschen und Absichten begegnen und wahrnehmen können. So bieten Messen die große Chance, dass Partnerschaften entstehen und dauern.

Messen stehen ständig im medialen und internationalen Wettbewerb. Wie sehen Sie die Entwicklung deutscher Messen und Messegesellschaften in dieser Hinsicht?
Walter Mennekes: Trotz aller Konkurrenz: Ich bin fest davon überzeugt, dass Messen ihre gute Zukunft haben. Der Fortschritt der Dinge und Produkte ist ja keine Bewegung hin zum perfekten, sondern eine weg vom immer noch unfertigen Produkt. Wer auf diese Nuance wert legt, versteht Messen als Showroom des wortwörtlich mit Händen zu greifenden Fortschritts innovativer Produkte samt der Vermittlung ihres Know-hows durch die Anbieter-Profis. Ein Unternehmen, das zu Messen – z. B. aus Kostengründen – auf Distanz geht, läuft Gefahr, in die Erstarrung seiner Produktivität – sprich Wettbewerbsfähigkeit – zu driften.
Jede Messe lebt von Innovationen und vom geschickten Aufgreifen aktueller Trendthemen. Wohin geht der Trend auf dem Messemarkt in Deutschland und weltweit?
Walter Mennekes: Die Megatrends der allgemeinen Entwicklung durch technischen Fortschritt hin zu mehr Entlastung und Verdichtung, zu mehr Vielfalt und Effizienz werden die Märkte und ihre Messen in Atem halten. In solcher Aussicht sind und bleiben Messen der unverzichtbare Resonanzraum für immer wieder bessere Produkte. Ziel für uns Messeveranstalter bleibt, dass im internationalen Messegeschäft das Gütesiegel des ‚Made in Germany’ nicht nur für unsere Markenprodukte, sondern genauso für die Spitzenqualität unserer Messen gilt.

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