Zu Tisch mit Felix vom Endt

Das (bier-) kulinarische Gespräch mit Felix vom Endt, orca brau Nürnberg /// von 

Zu Tisch mit Felix von Endt Foto: istockphoto.com/grafvision

Eine Palette tut es dieses Mal auch als Tischersatz, denn Felix vom Endt ist noch mittendrin in der Einrichtung seiner orca brau, einer kleinen Brauerei im Norden Nürnbergs. Der Quereinsteiger ist Bieraficionado durch und durch und nach unserem Gespräch darf man gespannt sein, wie der fränkische Orca schwimmen lernt.

Vom Bloggen zum Brauen

Felix vom Endt, orca brau Nürnberg

Hat ein Auge fürs „soziale Schmiermittel“ Bier – Felix vom Endt

Womit wir bei der ersten Frage wären: Was hat eine fränkische Brauerei mit den Meeressäugern zu tun. Vom Endt erklärt es so: „Die Tiere sind ganz wunderbar. Sie sind intelligent, wild, gute Jäger, leben in großen Familienbanden und haben einfach etwas Mystisches an sich. Genau so ist auch orca brau. Natürlich ist es auch Erinnerung und Verbindung an meine Zeit in Kanada.“

„Nürnberg mit seiner Fülle an Brauereien, Metzgereien, Bäckereien und der Liebe zum Handwerk hat eine Menge Genuß-Potential“

Vom Starnberger See stammend und geprägt von Augustiner und Tegernseer, hatte vom Endt während seines Studiums in Coburg sein Aha-Erlebnis mit Bier. Bei einem Einkauf im Getränkemarkt wurde ihm ans Herz gelegt doch mal das Helle der Brauerei X zu probieren und vielleicht auch das Helle der Brauerei Y und wenn er schon dabei ist auch noch das Helle der Brauerei Z. Beim Probieren blieb es nicht. 2006, quasi im Internet-Steinzeitalter hat er angefangen unter www.lieblingsbier.de über Bier zu bloggen und ist im Laufe der Zeit zu einem Influencer für „guten Geschmack“ in Sachen Bier geworden. Durch seine Kontakte mit anderen Bierliebhabern und Brauern konnte Felix vom Endt von Anfang an die neue Bierkultur in Deutschland mit begleiten und gestalten.

Über eine berufliche Zwischenstation in Vancouver, Kanada sammelt er seine, wie er sagt, erste richtige Brauereierfahrung bei Parallel49 Brewing, einem klassischem Craft Beer Start-Up. Das war der Türöffner zur Brauwelt. 2013 zieht es ihn und seine Frau nach Berlin, wo er zunächst mit Sylvia Kopp bei der Berlin Beer Academy arbeitet. Hier lernt er den Künstler Johannes Heidenpeter kennen, der im Keller der Markthalle Neun braut. Und steigt mit ihm in den Keller hinab um bei „Heidenpeters Brauerei“ alles und nichts über Brauen zu lernen.

Brauanlage mit Gebrauchsspuren für Start-Up gesucht

Als sein Lehrmeister eine neue Brauanlage kauft, bittet ihn vom Endt um das alte Equipment. Dann packt er seine sieben Sachen, um nach Nürnberg zu gehen. Auf die Frage warum, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Nürnberg ist halt einfach eine wunderschöne Stadt mit viel Herz, Seele und einem guten Gefühl. Dazu viel Natur drum herum und natürlich nicht zu vergessen die Fülle an Brauereien, Metzgereien, Bäckereien und der Liebe zum Handwerk generell. Und privat bin ich hier natürlich auch schon gut verwurzelt, da meine Frau und ihre Familie aus Nürnberg stammt.“

Orca Brau

Im Bauch des Wals – Bald wird hier Bier gebraut und abgefüllt

Für Felix vom Endt ist Bier das „soziale Schmiermittel“. Es bringt Leute zusammen, beim Bier kann man sich seiner Meinung nach gut unterhalten, es schmeckt lecker und es macht die Menschen fröhlich. Genau dazu möchte er mit seinen Bieren beitragen. „Nürnberg hat eine Menge Potential für genussbegeisterte Menschen in Form von gutem Essen und Trinken. Da gehört orca brau auch rein“, schwärmt er. „Nürnberg ist für mich mein wichtigster Absatzmarkt, der immer an erster Stelle kommen wird. Und erst danach München, Berlin und Hamburg.“

Der bierkulinarische Fragebogen, ausgefüllt von Felix vom Endt

Felix von Endt

Schwört auf Kreativität, Inspiration und sein Gespür in der Brauküche – Felix vom Endt

Hier treibt meine Begeisterung Blüten:
Bei Bier und Brotzeit im Biergarten, im Gespräch über Bier, im Zusammensein mit meiner Familie
In der (Brauer-)Küche schwöre ich auf:
Auf Kreativität, Inspiration und mein Gespür
Die Erinnerung an mein erstes Bier schmeckt nach:
Vieeeeeeel zu bitter, obwohl es bestimmt ein ganz ganz ganz mildes Münchner Helles war.
Meine Top-3-Lieblingsbiere:
Immer schwierig zu sagen, aber wenn ich 3 Biere wählen müsste: Heidenpeters Pale Ale, Hopfenstopfer Citra Ale, Pax Bräu From Asia With Love, AleMania IPA, Orval, Cantillon Geuze, Schlenkerla Märzen, Weiherer Kellerbier, Mönchsambacher Export und Gutmann Weizenbock (sind doch drei oder?!)
Mein Allheilmittel, wenn es mir mal nicht gut geht:
Meine Familie und Bockbier. Gerne in Kombination.
Wenn ich für jemanden brauen dürfte, dann für:
Für alle.
Bei diesem Getränk kenne ich keine Grenzen:
Siehe Punkt „Lieblingsbiere“ 
Wenn ich reise, trinke ich am liebsten:
Ich schaue immer wo regionale Brauereien, Bierläden und Bierkneipen sind. Egal, wo es hingeht.
So wird das gemacht, und nicht anders:
100% Überzeugung und Leidenschaft von dem zu haben, was man Tag für Tag macht, ist extrem wichtig. Ebenso denke ich, dass man das machen sollte, was man liebt und woran man Spaß hat. Gerade als Existenzgründer und Selbstständiger.
Mein einprägsamstes Erlebnis in einem Restaurant/einer Kneipe:
Mein erster Besuch im Brewpub der Brauerei Russian River in Santa Rosa, Kalifornien. Das IPA „Pliny The Elder“ frisch vom Fass an einem heißen Sonntagmittag. Genial!
Ohne diesen Geschmack könnte ich nicht leben:
Ohne guten Geschmack in all seiner Vielfalt von sauer bis süß von salzig bis scharf und von bitter bis mild, wäre alles nur halb so schön. Zum Glück lässt sich diese Geschmacksvielfalt auch in Bier darstellen .

 

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