Aquascaping: Die moderne Version des Unterwassergärtnerns

Interview mit Oliver Knott /// von 

Aquascaping - Interview mit Oliver Knott Der Weltmeister am Werk: Oliver Knott präsentiert im Star Wars Kostüm seine Aquascaping Landschaft; Foto: Georg Just

Es hört sich an wie eine neue Sportart und erinnert an die saftig grünen Landschaften aus den Herr der Ringe Filmen: die Gestaltung der Unterwasserwelt, eine Art „Unterwassergärtnern“, das als Aquascaping bekannt geworden ist. Im Aquascaping werden Szenen aus der Natur mit aquaristischen Mitteln, wie Substrat, Steinen und Wasserpflanzen nachgebildet, wobei die Ästhetik immer im Vordergrund steht. Nicht selten blitzt zwischen dem Bonsai-Speerblatt und der Nadelsimse auch mal eine Buddha-Figur oder ein Totenkopf hervor. Wir trafen Oliver Knott, international angesehener Aquariendesigner und Weltmeister im Aquascaping, auf der Interzoo.

Aquascaping, Oliver Knott

Foto: Georg Just

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Herr Knott, welche Tipps würden Sie Anfängern geben, die sich noch nie mit Aquaristik und Aquascaping auseinander gesetzt haben?
Das Wichtigste ist, sich erstmals von einem Fachhändler beraten zu lassen. Auch Internetplattformen bieten genug Information. Ich empfehle am Anfang immer erst ein pflegeleichtes Aquarium einzurichten, welches weniger Licht benötigt und mit robusten, langanwachsenden Pflanzen ausgestattet werden kann. Aquascaping lässt sich mit der Gartengestaltung vergleichen. Wenn Sie Interesse mitbringen, leben Sie sich mit der Zeit auch ein.

„Ich fühlte mich zu Aquarien hingezogen […]“

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Wie sind Sie zu Ihrem Beruf und Ihrer Berufung gekommen?
Ich habe mit acht Jahren mein erstes Aquarium bekommen und nach Abschluss der Realschule Zoofachhändler gelernt. Ich fühlte mich zu Aquarien hingezogen, weil ich etwas Außergewöhnliches machen wollte, um Kunden und Besucher anzusprechen.

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Sie hatten ja als einer der wenigen Europäer die Möglichkeit mit Takashi Amano, einer der einflussreichsten Persönlichkeiten innerhalb der Aquaristik, zusammen zu arbeiten. Wie hat diese Erfahrung Ihre Arbeit geprägt?
Ich hatte Takashi Amano das erste Mal 1998 in Deutschland kennen gelernt, als er hier war um seine Produkte zu verkaufen. Anschließend traf ich ihn bei einer Messe in Bologna 2003 und über ein Glas Wein lud er mich nach Japan ein, um zwei Wochen bei ihm in seiner Firma AquaDesign Amano zu arbeiten. Zu erlernen wie Aquaristik in Japan ausgelebt wird, war für mich ein einzigartiges Erlebnis. Mir wurden vor allem die kulturellen Unterschiede bewusst, da in Japan Aquaristik stark von der Bonsai Gartenkultur inspiriert ist und zum absoluten Perfektionismus tendiert. Für viele Japaner ist es eine Art Entspannung, sich um ihre Aquarien zu kümmern, während in der westlichen Welt die Gestaltung und Pflege eher als Arbeit betrachtet wird.

„Die Aquaristik lebt […] von der Show und Präsentation.“

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Wie denken Sie wird sich das Aquascaping in der Zukunft entwickeln, welche Stile und Trends treten besonders hervor?
Das kommt unter anderem darauf mit an, in welcher Kultur Sie sich befinden. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Asiaten verspielter sind, während im westlichen Raum die Vorgehensweise bei der Aquaristik eher rational ist. Wichtig ist, das alte, verstaubte Image abzulegen, welche viele noch mit Aquaristik verbinden. In den letzten Jahren hat sich Aquascaping auch stark durch die sozialen Medien verbreitet, obwohl es einen Unterschied macht ob man ein Aquarium digital oder live sieht. Die Aquaristik lebt ja immerhin von der Show und Präsentation.

Aquascaping - Interview mit Oliver Knott

Messegeschehen – Aquascaping Vorführung mit Oliver Knott; Foto: Georg Just

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Was sind Ihre größten Erfolge?
Auf jeden Fall die Zusammenarbeit mit Takashi Amano und als ich 2004 einen der größten Aquarienwettbewerbe in den USA gewann. Aber auch die ganzen Reisen, die ich durch meine Arbeit unternehme. Letztes Jahr war ich in Shanghai und es war eine gigantische Erfahrung auf so eine große Masse an kreativen Leuten zu treffen.

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Auf Ihren Instagram Bildern sieht man, dass Sie eine riesige, bunte, vielfältige Auswahl an Materialien verwenden von Totenköpfen bis zu Hobbit Figuren und ausgefallenen Fische. Woher holen Sie sich Inspirationen für Ihre Aquarien?
Von überall. Ich bin kein Naturfreak, der sich nur von Wäldern inspirieren lässt, sondern wirklich von allem, auch den letzten Hobbit Filmen. Leider ist das Image des Aquascaping noch ein bisschen bieder und gerade deswegen setze ich auf eher kontroverse Materialien. Ich möchte zeigen, dass man Sachen auch anders machen kann und übers Ziel hinausschießen, vor allem gerade um den 18-jährigen zu erreichen, der sich sonst nie für Aquascaping begeistern würde. Ich will die Aquaristik cooler, interessanter und einfacher machen.

Aquascaping - Interview mit Oliver Knott

Foto: Chris Lukhaup

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Besitzen Sie selber auch ein Aquarium?
Zurzeit muss ich das leider zurückstellen. Privat finde ich Aquarien sehr schön, aber wenn man sich sieben Tage die Woche beruflich mit ihnen auseinandersetzt, fehlt einem die Zeit. Vielleicht wenn ich mal in Rente gehe. Ich habe noch so viele Ideen, die ich verwirklichen möchte und mir die nächsten zwanzig, dreißig Jahre reichen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

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