Die Selbermacher

Werkstätten für behinderte Menschen mit pfiffigen Design-Ideen und hochwertigen Produkten  /// von 

Liebe zum Detail: Produkte aus WfbM werden den individuellen Fähigkeiten der Beschäftigten entsprechend und mit viel Sorgfalt gefertigt. Foto: NürnbergMesse/Frank Boxler

Wären sie von Ted Baker, würden sie „Shopper“ heißen. So groß und geräumig sind sie, die Kunststofftaschen aus der Werkstatt der Lebensgemeinschaft Münzinghof. Charakteristisch ist ihre Verarbeitung mit dicken transparenten Schnüren und die vielen unterschiedlichen  Designs. „Der Renner ist unser Bambusmotiv‘“, sagt Daniel Stach, der Leiter der Taschenwerkstatt. Die Taschen gab es auf der Werkstätten:Messe, die vom 18.-21. April 2018 stattfand. Dort stellte nicht nur die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) des Münzinghofs aus, sondern weitere rund 160 Werkstätten, meist aus Deutschland, aber auch aus der Schweiz und Schweden.

„Flambierte Holzfüße“

Taschen: Eine kreative Idee, viele fleißige Hände, ein Riesenerfolg: Werkstattleiterin Rike Stach mit einer der beliebten Taschen vom idyllisch in Mittelfranken gelegenen Münzinghof. Foto: NürnbergMesse/Frank Boxler

Viele der ausgestellten Produkte sind wie die Münzinghoftasche eigene Kreationen der Werkstätten – von der Idee über das Design bis zum Entwurf und der Fertigung. So lief das auch bei der schlicht „Feuerschale mit Holzfüßen“ genannten Kreation der Ruperti Werkstätten in Altötting. Die Schale ist aus unbehandeltem Stahl und erhält im Laufe der Zeit durch das Feuer eine Patina – die haben die Holzfüße bereits, denn sie sie wurden vorab „flambiert“, also kurz im Feuer behandelt. Das Design ist zudem edel genug, dass sich auch Blumen in der Schale gut machen. 

 

Das zweite Leben der Kaffekapsel

Von Anfang an auf der Messe dabei: Weizenkorn aus Basel. Hier stellen 55 Werkstattbeschäftigte pro Jahr bis zu 500.000 Kerzen her. Foto: NürnbergMesse/Frank Boxler

Edel ist auch das, was die Boxdorfer Werkstätten machen. Auch wenn das Ausgangsmaterial zunächst nicht so aussieht. Bei BoXX Art werden nämlich Fundstücke aus dem Bastelfundus mit gebrauchten Kaffeekapseln zu Schmuckstücken. BoXX Art bringt Nachhaltigkeit für alle Beteiligten. Die Bürger des Nürnberger Vororts Boxdorf führen ihre Kapseln einer umweltschonenden Verwertung zu, während die Teilnehmer der Einrichtung nach dem Manufakturgedanken produzieren: Jeder das, was er kann und will. Inzwischen ist die Hälfte der Teilnehmer in die Fertigung eingebunden, sei es beim Farbsortieren oder -beraten, dem Pressen oder Einkleben. Die Serien BoXX Art und Genuss BoXX mit feinen Produkten rund um Kaffee, Schokolade und Fruchtgummi gibt’s im eigenen Ladengeschäft und auch online.

Mit Liebe zum Detail

500 Messe-Quadratmeter aus dem „echten Norden“. Mit dabei am Gemeinschaftsstand der schleswig-holsteinischen Werkstätten: Eigenproduktionen für Haus und Garten, aber auch Fairtrade-Kaffee und selbstgekelterten Bio-Apfelsaft. Foto: NürnbergMesse/Frank Boxler

Das Spektrum der Produkte aus Werkstätten reicht von Gartenmöbeln und Dekoration für Drinnen und Draußen über Holzspielwaren, Bürobedarf, Küchenzubehör und Wohnideen bis hin zu Bio-Lebensmitteln und Zier- und Nutzpflanzen. Der Kunde kann dabei sicher sein, dass die Produkte so gefertigt wurden, dass sie den individuellen Fähigkeiten der Beschäftigten entsprechen und häufig eine große Liebe zum Detail aufweisen.

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