Entlang der neuen Seidenstraße – Wo smarte Citys wachsen und Logistik planbarer wird

Zwischen Europa und China erschließen die Infrastrukturprojekte der Neuen Seidenstraße die Märkte in Zentralasien und es entstehen attraktive Handelsplätze und smarte Städte. Deutsche BRI-Vorreiter berichten. /// von 

Zugstrecke entlang der Neuen Seidenstraße Gute Aussichten verspricht der Transport von und nach China über Land. Die Belt and Road Initiative macht es möglich (Credits: istock/Travel Photography)

Mehr als 200 Mrd. US-Dollar sind bislang in die Infrastrukturprojekte der chinesischen „Belt and Road Initiative“ (BRI) geflossen. Der Bau von Bahnhöfen, Logistikzentren, Häfen und Pipelines entlang der Neuen Seidenstraße verbindet zum Teil schwer zugängliche Länder miteinander. Zwischen Europa und China erschließen die neuen Routen auch die Märkte in Zentralasien und es entstehen attraktive Handelsplätze und smarte Städte.

Neue Seidenstraße: Märkte entwickeln sich nicht nur in China

Ein Effekt der neuen Straßen und Schienen: In der Logistik seien Transporte planbarer und sicherer als noch vor fünf Jahren. „Es sind klare Absprachen zu Preisen und Lieferfristen möglich. Für beispielsweise eine Distanz von 6.500 Kilometern kann ich die Ankunft eines Container-Lkws mit nur 2 bis 3 Tagen Abweichung bestimmen“, sagt Nikolaus Kohler, Regional Managing Director Middle East / Central Asia bei M&M Militzer und Münch International Holding AG. Der Logistikkonzern ist schon länger auf der Neuen Seidenstraße unterwegs. „Wir transportieren seit mehr als 20 Jahren Fracht zwischen Europa, Zentralasien und China.“, so Kohler. Aktuell baue China die Infrastruktur massiv aus – durch Initiative, Finanzierung und eben auch Umsetzung.

In den letzten Jahren wurden insbesondere das kaufkräftige Kasachstan und das bevölkerungsreiche Usbekistan aber auch Turkmenistan, Tadschikistan und Kirgisistan zu Partnerländern und Absatzmärkten. Die Länder versuchen, vom Rohstofflieferanten zum Produzenten für Handelsgüter aufzusteigen – in Usbekistan etwa bedeutet das den Schritt vom Baumwollexport zur heimischen Textilfertigung. So wird die Wertschöpfungskette verlängert. Vielfach investieren hier chinesische Unternehmen und liefern Maschinen wie auch Know-how.

„Nicht nur dort sind die Chinesen in der Regel schneller und risikobereiter als die Europäer“, sagt Nikolaus Kohler. Nach seiner Einschätzung schenken die deutschen Unternehmen diesen Märkten zu wenig Beachtung. Eine Beobachtung, die Prof. Markus Taube, China-Experte und Keynote-Sprecher beim Kongress Seidenstraße 2019 – Handeln in neuen Märkten, teilt. „Für den deutschen Mittelstand entstehen im Rahmen der ‚Belt and Road Initiative‘ große Chancen, die aus einer wachsenden Nachfrage nach immer spezifischeren Lösungen erwachsen“, so Taube. „Schwierigkeiten bereitet allerdings die Identifizierung geeigneter Projekte. Und auch die Besonderheiten in den neuen Märkten und das Zusammenspiel mit den chinesischen Partnern werfen Fragen auf.“

Ingenieurs-Know-how aus Bayern für eine smarten Bahnhof in Guangzhou

Auf eine vertrauensvolle Arbeit mit und im Reich der Mitte kann die Ingenieursgesellschaft OBERMEYER mit Sitz in München verweisen. Die zu den größten unabhängigen deutschen Planungsunternehmen in den Bereichen Gebäude, Verkehr und Energie und Umwelt zählende Firma gewann 2016 in Zusammenarbeit mit zwei lokalen Partnerbüros einen Design-Wettbewerb für die Erweiterung des Bahnhofs in der südchinesischen Hafenstadt Guangzhou.

Das Gebiet um die Guangzhou North Railway Station wurde gemäß Transit-Oriented-Design (TOD) entwickelt. Dabei wird versucht, das städtische Leben so nah wie möglich an den Verkehrsknotenpunkten anzusiedeln und die Erschließung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fördern. Hinzu kommen Mischnutzungen und eine mittlere bis große Höhenentwicklung der Gebäude, um die Wege kurz und das Quartier kompakt zu halten. So würde das neu entwickelte Umfeld des Bahnhofs von Guangzhou ein Pendant zum Stadtzentrum im Osten sowie zur Wirtschaftszone um den Flughafen im Süden bieten.

Von 2005 bis 2009 waren OBERMEYER-Mitarbeiter für das Consulting für die Planung, die Bauausführung und den Probebetrieb für alle Gewerke für den Neubau von 1000 km Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke von Wuhan nach Guangzhou verantwortlich.

Deutsche Post startet ersten innerstädischer Drohnenflug in China

Im Mai diesen Jahres machte Guangzhou von sich reden, als dort die erste innerstädtische Drohnen-Lieferroute in China in der 13 Millionen Einwohner zählenden Megacity in Betrieb genommen wurde. Zwischen zwei Lande-Stationen bringen die unbemannten Fluggeräte vollautomatisch jeweils bis zu fünf Kilogramm schwere Kisten mit Express-Sendungen über eine acht Kilometer lange Entfernung. Kooperationspartner sind der chinesische Drohnenhersteller EHang und die Deutsche Post DHL Group. Die Bonner haben schon früh erkannt, welche Möglichkeiten im Landtransport von und nach China liegen und haben bewiesen, wie reibungslos der Verkehr über diese Schienenstrecke entlang der Neuen Seidenstraße laufen kann. Jetzt probiert sich das internationale Express-Unternehmen auch an der Fracht mit Drohnen.

Apropos Fliegen und Guangzhou. Das zweite Jahr in Folge zeichnete die Jury der internationalen Flugstrecken-Entwicklungskonferenz World Routes 2018 den Albrecht Dürer Airport Nürnberg  mit dem World Routes Marketing Award aus. Der Award, den die Nürnberger in Guangzhou erhalten haben, gilt als eine der höchsten Auszeichnungen für Flughäfen und ist innerhalb der Branche begehrt.

Wie der deutsche Mittelstand von Belt and Road profitieren kann

Eines ist sicher: die chinesische Initiative steht für eine riesiges Konglomerat von Infrastrukturprojekten. Sie bedeutet aber nicht nur neue Straßen und Trassen. Belt and Road lässt neue Märkte entstehen und überbrückt Handelsgrenzen. Sie wird die Weltwirtschaft der Zukunft entscheidend prägen und zahlreiche neue Wirtschaftsregionen entstehen lassen. Davon können auch deutsche Unternehmen profitieren, denn die jungen Handelsplätze brauchen nicht nur Straßen und Terminals, sondern schaffen Einkommen für lokale Konsumenten.

Der Kongress „Seidenstraße 2019 – Handeln in neuen Märkten“ thematisiert in Key-Notes und Panel Diskussionen geo- und wirtschaftspolitische Aspekte der Belt and Road Initiative. Experten wie Nikolaus Kohler, M&M Militzer & Münch und Stephan Jentsch, OBERMEYER stellen den Teilnehmern konkrete BRI-Beteiligungen vor und leiten Handlungsempfehlungen ab. Eine begleitende Ausstellung von Dienstleistern und Organisationen ergänzt die Veranstaltung. 

Wie kann mein Unternehmen von der Belt and Road Initiative profitieren?

Wie findet meine Firma geeignete Projekte entlang der neuen Seidenstraße? Wie findet ich Partner bei One Belt, One Road? Antworten gibt unter anderem Prof. Dr. Markus Taube als Key-Note-Sprecher auf Europas größtem Event zur Belt and Road Initiative, dem Kongress „Seidenstraße 2019 – Handeln in neuen Märkten“ am 2. Oktober 2019 in Nürnberg. 

Redaktion: Susanne Franz NürnbergMesse // Christian Boeckmann, Michael Schwengers, Kleine Republik

 

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