„Hierarchie war gestern!“

Dr. Steffi Burkhart im Interview zur Generation Y /// von 

Generation Y Millennials Thema auf der BIOFACH 2018 istockphoto.com/anchiy
Portrait Dr. Steffi Burkhart

Dr. Steffi Burkhart, Keynote-Sprecherin auf der BIOFACH 2018 und Botschafterin der jungen Generation

Was bewegt sie, wie konsumiert sie und welche Ziele verfolgt die „Next Generation“? Wenn vom 14. bis 17. Februar das Messegelände in Nürnberg wieder zum Mekka der internationalen Bio- und Naturkosmetik-Branche wird, dann liegt auf diesen Fragen ein besonderes Augenmerk. Dr. Steffi Burkhart, Keynote-Sprecherin und Botschafterin der jungen Generation, gab uns kurz vor der offiziellen Eröffnung der Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel und der internationalen Fachmesse für Naturkosmetik spannende Einblicke zur Generation Y.

Sehen Sie die Generation Y als Zielgruppe der Zukunft für gesunden Lifestyle?
Wir sind sicherlich die Generation, die die Quantified-Self-Bewegung mit antreibt. Selbstvermessung ist aufgrund technologischer Möglichkeiten – und da stehen wir derzeit ja erst am Anfang – ein boomender Markt. Je mehr Daten wir über unsere eigene bio-psycho-soziale Gesundheit erfassen und auswerten können, desto mehr sind wir Herr über uns selbst. Der one-size-fits-all-Ansatz wird zunehmend unbeliebt. Starke Treiber hierfür sind die Megatrends Technologie, Digitalisierung, Individualisierung und Konnektivität.
Wie ernährt sich die Generation Y, wie konsumiert sie? Welche Rolle spielen dabei Kategorien wie „Bio“ und „Naturkosmetik“?
Einerseits können wir beobachten, dass beispielsweise die Gruppe der Vegetarier und des bewussten Konsums guter Produkte zunimmt. Das Interesse an veganen, glutenfreien oder laktosefreien Lebensmitteln steigt, was zeigt, dass junge Menschen bewusster konsumieren. Was wir beispielsweise auch an der Slow-Food-Bewegung beobachten können. Das setzt auch Unternehmen wie McDonalds unter Druck, sich ein neues umweltfreundliches Image zu verleihen. Auf der anderen Seite sind wir jedoch eine sehr hedonistische Generation. Wir kennen keine Asketen.
Inwieweit hat eine nachhaltige Lebensweise auch in Ihrem Leben Einzug gehalten?
Ich interessiere mich bereits mein Leben lang für eine gute bio-psycho-soziale Gesundheit und versuche auf allen Ebenen eine gute Lebensweise zu realisieren. Angefangen von der Aloe Vera Creme aus Mallorca über das Shampoo ohne Silikone bis hin zu Mediationseinheiten im Flieger und dem Online-Einkauf mancher Lebensmittel sowie Superfood auf Plattformen für Nahrungsergänzungsmittel. Seit ich aber circa 130 Mal im Jahr in Hotels übernachte, weil ich als Keynote-Speakerin gut gebucht bin, gelingt mir eine ausgewogene nachhaltige Lebensweise nicht immer – vor allem bei der Ernährung ist das bei Reisen ziemlich schwierig. Da gibt es meistens nur Schrott zu essen.
Sie beziehen die Stichworte Wertewandel und Nachhaltigkeit nicht nur auf das Konsumverhalten, sondern fordern diese für die Generation Y auch in den Bereichen Arbeit, Führung und Personalmanagement. Was sind hier Ihre Hauptanliegen?
Hierarchie war gestern, heute und morgen geht es um Kooperation, Partizipation, Interaktion, Teamarbeit und gute Kommunikation. Unternehmen stehen derzeit vor der Herausforderung sich hin zu einer agileren Organisation zu changen. Dazu gilt es, starre Hierarchien – auch in den Köpfen der Menschen – aufzulösen und mehr in Netzwerken zu denken und zu agieren. Ein gutes Beispiel hierfür ist das duale Betriebssystem nach Prof. John Kotter. In der Politik ist das noch gar nicht angekommen. Es wäre aber sehr wünschenswert, wenn die klassische Parteienpolitik auch daran interessiert ist, wieder mehr junge Menschen für sich zu begeistern. Wenn es um das Thema Führung geht, müssen wir anfangen, Management, Leadership und Fachexpertise differenziert(er) zu betrachten. Denn was wir derzeit, vor allem auch bei den Millennials, beobachten: Wenn Chefs keine Lust auf Menschenführung haben, dann sind wir weg. Wenn wir wollen, dass Organisationen und Menschen permanent Ideen entwickeln und agiler arbeiten, brauchen wir gut ausgebildete Leader, die es verstehen, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen gute Ideen entstehen und Menschen sich entwickeln können. Wir bilden junge Menschen immer noch aufs alte Industriezeitalter aus. Heute leben wir aber im Informations- und Digitalzeitalter, bei dem es auf andere Kompetenzen ankommt, als still zu sitzen und auswendig zu lernen, Dienst nach Vorschrift zu machen und guten Noten hinterher zu jagen. Denn all das werden zukünftig Maschinen besser können als wir. Wir müssen endlich anfangen, junge Menschen in den Kompetenzen zu entwickeln, in denen wir uns als Mensch zukünftig von Maschinen unterscheiden.
Sie haben sich selbst in einem Interview als eine Art „Mutmacherin“ der jungen Generation beschrieben. Wenn Sie jetzt einen Appell an sie richten können, wozu möchten Sie sie ermutigen?
Mein Appell ist: Ihr müsst niemanden um Erlaubnis fragen, um Dinge zu tun. Fragt nicht mehr Eure Eltern, Eure Lehrer, Eure Chefs. Kommt in den Modus der Bewegung. Man wird häufig auch failen – das gehört dazu. Es ist nämlich nicht alles ein Ponyhof. Gleichzeitig würde ich mir wünschen, dass man Scheitern in der Gesellschaft grundsätzlich anders akzeptiert und beurteilt. Vor allem, weil junge Menschen das Scheitern brauchen, um zu lernen. Um mit dem schönen Satz von Nina Ruge zu enden, die ich wirklich klasse finde: „Alles wird gut“.

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