In einem anderen Licht

Sinnesstation auf der ConSozial schärft die Sinne und schafft Begegnungen /// von 

Ein Besuch im „Nichts“ beeindruckt. Danach strahlt die Messe umso heller. Foto: Heiko Stahl/NürnbergMesse

Schwarz. Kein Licht, nirgends. Der Raum ist kein Raum, sondern ein Nichts, ein schwarzes Nichts. Bedrohlich, lauernd. Dort, irgendwo, in der Finsternis – Gefahr! Da ist jemand…! Eine freundliche Stimme: „Suchen Sie das Licht …“ Und tatsächlich. Da schimmert es von unten her hell. Und die Wände – werden anthrazit, die Schwärze weicht, das Auge beginnt zu sehen.  

„Eingang zum Nichts“: Die ConSozial schafft Raum für Begegnung; Foto: NürnbergMesse/Thomas Geiger

Sehen, hören, riechen, schmecken: mit Sinneserfahrungen kennen sich die Pädagogen vom Schloss Freudenberg aus. Sie haben auf der Messe ConSozial eine Box aus schwarzem Bühnenstoff aufgebaut, in der Größe einer Drei-Zimmer-Wohnung. „Eingang zum Nichts“ nennen sie es. Ein Kontrapunkt zu den hell beleuchteten Ständen ringsum. „Die ConSozial hat Ihnen dieses Erlebnis geschenkt“, erklärt Lothar Backes vom Schloss den Besuchern, Fach- und Führungskräfte der sozialen Arbeit. Das Schloss ist eine Kultureinrichtung in Wiesbaden, ein „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne und des Denkens“. Mit seinen über 100 Erfahrungsfeldstationen drinnen und draußen – etwa Barfußpfad, Eiskammer oder Klangraum – bietet es experimentelles und interaktives Erleben.

Alles so schön hell hier!

Ob am Messestand oder in der Sozialwirtschaft: Die Besucherinnen und Besucher der ConSozial sind mit Engagement dabei. Foto: Thomas Geiger/NürnbergMesse

Auch die Box ist eine Sinnesschule. Etwa des Sehsinns: „Die Pupillen sind jetzt weit geöffnet, fangen alles Licht ein. Deshalb blendet das Licht in der Halle später“, sagt Marleen Agocs, die die Zuschauer im Innenraum begleitet. Und der Gehörsinn. Die Ohren sind auf vollen Empfang gestellt. Aus dem Stimmen- und Klanggewirr der Halle schälen sich einzelne Geräusche heraus: das Schnarren der Kaffee-Mahlwerke an der Cateringstation, Tellerklirren, Lachen, halbe Sätze angeregter Gespräche … Der Orientierungssinn. Je nach Besucher unterschiedlich.

Ort der Begegnung: Bayerns Sozialministerin Emilia Müller mit Akteuren am Stand der Lernwerkstatt Regensburg, die mit einer Kunstinstallation ein Statement setzte für eine menschliche Welt. Thomas Geiger/NürnbergMesse

Während die einen sich mit den Händen voran vorsichtig tastend bewegen, wie auf Glatteis, durchmessen andere schon gleich nach dem Reinkommen den Raum, entdecken die aufgebaute Leiter, den Stehtisch in der Mitte. Wieder draußen erscheint die Messe-Welt in einem anderen Licht – alles so schön hell hier … 

Und wer hätte es gedacht? – Der dunkle Raum ist auch ein Raum der Begegnung. Etwa mit Erlangens langjährigem Kulturreferenten Dieter Rossmeissl („ich kenne keine Berührungsängste“) oder mit Gottfried Schilling, der Raumkonzepte für Kitas anbietet. Später trifft man sich am Messestand, im Hellen. Ob in der schwarzen Box oder der hell erleuchteten Halle: die Messe ist ein Ort der Begegnung.     

 

Die ConSozial ist Deutschlands größte KongressMesse für den Sozialmarkt. Einmal im Jahr wird das Messezentrum Nürnberg so zum Treffpunkt für alle, die in der Sozialwirtschaft arbeiten. Unter dem Motto „Zukunft Inklusion“ haben Expertinnen und Experten der unterschiedlichsten Fachrichtungen auf der ConSozial 2017 mögliche Wege in eine inklusive Zukunft gezeigt. Rund 5.700 Fachbesucher aus allen Bereichen der sozialen Arbeit besuchten die Messe mit ihren 220 Ausstellern und den Kongress mit über 100 Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden. Veranstalter der ConSozial ist das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration.

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