Unbemannt außer Rand und Band?

Die Konferenz U.T.SEC beschäftigt sich mit dem Zukunftsthema Drohnen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Sicherheit. /// von 

U.T.SEC

Es gibt sie in allen möglichen Größen – als handtellergroße Spielerei für den Laien bis zu ausgewachsenen Profi-Exemplaren. Drohnen eröffnen völlig neue Ausblicke in 360 Grad und lassen die Herzen von Hobbypiloten höher schlagen. Sie werfen aber auch neue Fragen der Flugsicherheit auf. Die Konferenz U.T.SEC thematisiert erstmals die technischen Möglichkeiten und rechtlichen Notwendigkeiten der unbemannten Technologien. Dr. Norbert Lohl, Vorstandsvorsitzender des UAV DACH e.V., des deutschsprachigen Verbands der unbemannten Luftfahrt, beantwortet im Interview die wichtigsten Fragen rund um das Thema „Drohnen und Gesetzeslage“.

Dr. Norbert Lohl

Dr. Norbert Lohl, Foto: privat

Herr Dr. Lohl, wie viele und welche Arten von Drohnen sind in Deutschland unterwegs? Und werden es immer mehr?
Die Zahl der in Deutschland betriebenen Drohnen lässt sich mit derzeit ca. 500.000 nur grob abschätzen. In den USA gibt es hingegen Statistiken der Luftfahrtbehörde FAA, die besagen, dass im Jahr 2016 rund 1,9 Millionen zivil genutzte Drohnen verkauft wurden und im Jahre 2020 mit einer Zahl von 4,3 Millionen gerechnet wird. Damit wird deutlich, dass die Anzahl weiter steigen wird.

Wer darf eine Drohne verwenden und zu welchem Zweck?
Prinzipiell kann sich jeder in Deutschland zum Privatgebrauch und ohne spezielle Genehmigung eine Drohne unter fünf Kilogramm Gewicht zulegen und nimmt damit am allgemeinen Luftverkehr teil. Wer sein Fluggerät nicht nur zu Sport- und Freizeitzwecken nutzen möchte, benötigt eine Aufstiegserlaubnis. Wichtig zu wissen ist, was dabei nicht erlaubt ist: zum Beispiel das Fliegen in der Nähe von Flugplätzen, über Menschenansammlungen, militärischen Objekten, Krankenhäusern oder Kraftwerken sowie das Fliegen ohne direkten Sichtkontakt zum Fluggerät. Wir vom Verband der unbemannten Luftfahrt haben dazu den sogenannten „Beipackzettel“ erstellt, einen „Leitfaden für sicheres Fliegen und den Betrieb Ihres Fluggerätes“.

Welche rechtlichen Regelungen für die unbemannte Luftfahrt sind nötig und welche Maßnahmen wurden schon auf den Weg gebracht?
Unkontrolliert kann es nicht weitergehen, soviel ist klar. Ein Schritt in Richtung gesetzlicher Regelungen wurde durch eine Initiative der Bundesregierung unter Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt gemacht: Mit der vorgeschlagenen „Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten“ sollen neue, klarere Bestimmungen für gewerbliche wie auch private Drohnen geschaffen werden. Dies beinhaltet zum Beispiel die Einführung einer Kennzeichnungspflicht für Drohnen ab 250 Gramm und eine Kenntnisnachweispflicht für den Betrieb von Flugmodellen und Drohnen ab zwei Kilogramm. Die Entscheidung des Gesetzgebungsprozesses wird im Laufe dieses Jahres erwartet. Dies wird jedoch nur eine Übergangsmaßnahme sein, da von der EU und dort federführend von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) in Köln an neuen, europäischen Drohnenregelungen gearbeitet wird. Bereits Ende April 2017 wird die EASA dazu einen ersten konkreten Vorschlag vorlegen, den wir mit Spannung erwarten.

Welche Rolle spielt dabei der UAV DACH e.V.?
Der Verband UAV DACH mit seinen circa 150 Mitgliedern, darunter Betreiber und Hersteller von Drohnen sowie Forschungseinrichtungen, informiert seine Mitglieder über aktuelle und zukünftige Aktivitäten und bringt sich stellvertretend in die Diskussion über technische und betriebliche Drohnenregelungen national und international ein. Wir wollen aber auch praktisch bei der Einhaltung gesetzlicher Regelungen mithelfen, indem wir ein freiwilliges Gütesiegel, z.B. für die Ausbildung von Drohnenpiloten und Betreiber von Drohnen, im Vorgriff auf entsprechende gesetzliche Vorgaben anbieten.

Welche Aufgabe erfüllt dabei die Konferenz U.T.SEC?
Die Konferenz ist ein wichtiger und notwendiger Baustein bei dem Transport von Informationen über Regelungen, Nutzen aber auch Gefahren beim Drohnenbetrieb. Je informierter die Betreiber von Drohnen sind, desto besser. Wir wollen nämlich nicht, dass die großartige Drohnentechnologie mit gewaltigen Zukunftsperspektiven und Nutzen durch Sicherheitsprobleme in Verruf gerät.

Was sind die nächsten Schritte des UAV DACH?
Der UAV DACH versteht sich selbst als der größte und erfahrenste deutschsprachige Verband für die unbemannte Luftfahrt in Europa, der die Interessen von Mitgliedern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden vertritt. Dies wollen wir zunehmend professionell und nutzbringend tun, indem wir eine entsprechende Struktur aufbauen, die die zukünftigen Aufgaben im Sinne der technischen Weiterentwicklung und unter Einhaltung der Sicherheitsvorgaben schaffen kann.

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