„Weniger ist mehr – weniger ist jetzt“ oder echte Helden kaufen unverpackt

Über 17 Mio. Tonnen Verpackungsmüll werden laut Umweltbundesamt jährlich in Deutschland produziert. Abhilfe könnte ein Trend schaffen: Der Einkauf im Unverpackt-Laden. /// von 

ZeroHero Nürnberg Thomas Linhardt Arthur Koenig

Unverpackt boomt – in Deutschland gibt es in der Zwischenzeit über 70 bereits eröffnete und noch zahlreiche geplante Unverpackt-Läden. Einer der ersten war „Orignial Unverpackt“ in Berlin. Aber auch der allgemeine Lebensmittelhandel denkt um: Immer mehr Konzepte zu Mehrwegverpackungen werden umgesetzt und Bio-Händler, wie zum Beispiel der in der Metropolregion ansässige ebl-naturkost, integrieren „Unverpackt-Stationen“ für bestimmte Produktsegmente.

In Nürnberg hat mit dem ZeroHero der erste Unverpackt-Laden eröffnet. Wir sprachen mit einem der beiden Gründer, Thomas Linhardt.

Frage 1
Echte Helden kaufen unverpackt! Im September hat der ZeroHero in Nürnberg seine Türen für ökologisch bewusste Kunden geöffnet. Was hat Euch motiviert, Euren eigenen Unverpackt-Laden zu eröffnen?
Sehr lange schon befassen wir uns mit gesunden Lebensmitteln und kaufen dementsprechend bewusst ein. Drei Jahre hatte ich einen Onlinehandel für Feinkostprodukte mit dem Ziel, mal einen eigenen Laden zu eröffnen. Mein Geschäftspartner ist ebenfalls überzeugter Bio-Verfechter. Bio-Lebensmittel ohne umweltschädliche Plastikverpackung anzubieten ist für uns ein logischer Schritt. Ökologische Produkte, fair gehandelt, meist regional und dazu noch ohne Verpackung – das gab es bislang noch nicht in Nürnberg. Deshalb entschlossen wir uns Anfang 2016, das in die Hand zu nehmen. Ich hing meinen alten Job an den Nagel und machte einfach.

ZeroHero ist ein unverpackt Laden in Nürnberg

Frage 2
Was ist Euer Konzept – was macht Euch aus?
Wir produzieren keinen unnötigen Verpackungsmüll und setzen auf verpackungsfreie, lose Waren bzw. umweltschonende, recyclebare Verpackungsmaterialien. Bevorzugt arbeiten wir mit regionalen Lieferanten, das heißt kurze Transportwege und somit weniger Treibhausgase in der Umwelt. Qualität ist für uns natürlicher Ursprung. Fast unser ganzes Sortiment ist Bio-zertifiziert. Bei nicht zertifizierten Produkten überzeugen wir uns selbst, dass Produzenten nach unseren Leitsätzen handeln. Damit es auch denen gut geht, die Lebensmittel für uns herstellen, genauso wie den Konsumenten, setzen wir den Fokus auf faire Vergütung und Arbeitsbedingungen für alle: Produzent, Mitarbeiter, Kunde und Händler.
Frage 3
Wie sieht die Bilanz nach 3 Monaten aus?
Der Laden wird sehr gut angenommen und wir haben schon zahlreiche Stammkunden. Das freut uns sehr und wir sind im stetigen Austausch mit den Konsumenten, um unser Sortiment weiter zu ergänzen. Mittlerweile sind wir stolz schon eine Auswahl von 500 Produkten anbieten zu können. In Deutschland gibt es laut einer Übersicht des Magazins „enorm“ etwa 70 bereits eröffnete und aktuell geplante Läden.
Frage 4
Was macht den Trend zum Unverpackt-Einkauf so stark?
Für uns ist dieser Trend die Zukunft des Einkaufens. Oder besser gesagt „back to the roots“. Früher ging man auch mit der Milchkanne zum Bauern oder wog sein Gemüse im Tante Emma Laden ab. Es war normal, dass es nur das gab, was der Bauer gerade auf dem Feld hatte. Auch Bio war der Standard. Heute besinnen sich die Menschen endlich wieder und fangen an, bewusster einzukaufen. Sie denken dabei an eine „enkelfreundliche“, nachhaltige Zukunft, ohne riesige Müllberge in den Weltmeeren. Das Körperbewusstsein ist besser geworden. Sich gesund, mit einem guten Gewissen zu ernähren lautet die Devise, statt Fastfood und Discount.

 

ZeroHero ist ein unverpackt Laden in Nürnberg

Frage 5
Stichwort „Zero Waste“ – laut Zukunftsinstitut mehr als nur der nächste Öko-Trend. Welche Rolle spielen dabei die Unverpackt-Läden?
Ökologie, Ökonomie und Müllvermeidung müssen zusammenspielen. Die Unverpackt-Läden sind hierbei Vorreiter dieser bewussten Bewegung. In den 1970er-Jahren entstanden in Deutschland die ersten Bio-Läden und sind heute fest integriert. Die Unverpackt-Macher gehen noch einen Schritt weiter und bieten Ware ohne unnötigen Verpackungsmüll an. Jemand, der den Zero Waste-Lifestyle lebt und bewusst auf Müll verzichten möchte, bekommt in einem Unverpackt-Laden alles aus einer Hand, mit einer direkten fachlichen Beratung. Somit sind die Pioniere der Unverpacktbewegung auch Auslöser des Zero Waste Trends und tragen dazu bei, dass der Trend immer mehr massentauglich wird.
Frage 6
Welche Hürden sind aus Eurer Sicht für Kunden, die noch zögern, am größten? Beziehungsweise, welche Fragen werden Euch am häufigsten gestellt?
Viele denken noch, unverpackt einkaufen sei unhygienisch oder zu teuer, waren aber meist noch nie in einem Unverpackt-Laden. Da kann ich nur sagen: Schaut es euch mal persönlich an und macht euch ein Bild! Bei uns sprechen die guten Produkte für sich. Da wir auf die Einwegverpackung und das Marketing drumherum verzichten, können wir auch einen guten Preis weitergeben. Zudem kann man genau so viel abfüllen, wie man gerade braucht. So hat man immer frische Ware zu Hause und muss nichts wegwerfen.

ZeroHero ist ein unverpackt Laden in Nürnberg

Frage 7
…Wäre „unverpackt“ einkaufen eigentlich ganz leicht?
Unverpackt einkaufen ist im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht. Sogar die Kleinsten helfen immer eifrig mit abzufüllen. Auf unserer Website haben wir sogar eine Sortimentsliste. So kann man sich schon vorab informieren, was es alles gibt, und dementsprechend seine Behälter mitbringen. Einmal kurz seine Gefäße im leeren Zustand gewogen, und schon kann man nach Belieben abfüllen. Außerdem spart man auch Zeit. Immerhin muss zu Hause nichts ausgepackt und in den gelben Sack gesteckt werden. Und man muss den Müll auch viel weniger oft rausbringen. Einfach das befüllte Glas ins Regal stellen, fertig. Sieht zudem auch noch schön aus. Unverpackt-Läden sind überschaubar und man wird nicht überflutet mit unzähligen Regalen. Der direkte Austausch von Ladner und Kunde rundet das Ganze ab und macht die Shopping-Tour zu einem entspannten Einkaufserlebnis.

Frage 8
In drei Wochen ist Weihnachten – bei vielen bedeutet das auch: weihnachtliches Shopping. Was sind Eure Tipps für ein möglichst verpackungsfreies Weihnachtsfest und eine Rückbesinnung auf „Weniger ist mehr“?
Ja, zuerst sollte man sich fragen: Brauche ich das wirklich? Diese Frage spart oft viel Müll und schont vor allem den Geldbeutel. Natürlich möchte man auch gerne etwas verschenken. Do It Yourself lautet das Motto. Einfach etwas basteln, aus etwas Altem etwas Neues zaubern. Kommt auch oft besser, als schnell etwas Unüberlegtes zu kaufen. Als Geschenkpapier kann man gebrauchtes wiederverwerten und aufhübschen. In diesem Sinne wünschen wir allen eine bewusste, besinnliche Weihnachtszeit.
Herzlichen Dank für das Gespräch!

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