Werkstätten:Messe 2017: Gemeinsam Perspektiven schaffen

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Werkstätten:Messe 2017 Foto: NürnbergMesse

„Zukunftsorientiert, inklusiv und innovativ“, mit diesen Worten beschreibt Dr. Mathias Hartmann, Rektor der Diakonie Neuendettelsau

Dr. Mathias Hartmann

Dr. Mathias Hartmann, Rektor der Diakonie Neuendettelsau und Vorsitzender des Vorstands Werkstätten:Messe; Foto: Diakonie Neuendettelsau

und Vorsitzender des Vorstands (Direktoriums) die Werkstätten:Messe, Leistungsschau der Werkstätten für behinderte Menschen und Fachmesse für berufliche Bildung. Vom 29. März bis zum 1. April 2017 steht hier der Inklusionsprozess im Mittelpunkt sowie die Thematisierung von Fragen, die es ermöglichen sollen Menschen mit Behinderung gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu lassen. Wir trafen Herrn Dr. Hartmann zu einem persönlichen Gespräch.

 

Herr Hartmann, die Diakonie Neuendettelsau ist von Anfang an bei der Werkstätten:Messe, der größten Sozialmesse in der Region, dabei gewesen. Was macht es Ihrer Einschätzung nach für Werkstätten wichtig an der Messe teilzunehmen?
„Die Werkstätten:Messe bietet aus Sicht der Diakonie Neuendettelsau bundesweit den größtmöglichen Austausch über alle Themen, die Werkstätten beschäftigen.

Werkstätten:Messe

Wir sehen vier wesentliche Gründe für die Teilnahme:

  1. Die Messe bietet als Leistungsschau die Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit unserer Werkstätten öffentlichkeitswirksam zu präsentieren und sich auch einen Überblick über die bundesweite Tätigkeit von Werkstätten zu verschaffen.
  2. Wir nutzen die Messe als Forum für den fachlichen Austausch und die Möglichkeit eigener Präsentationen im Rahmen des Fachvortrags-programms.
  3. Die Messe hat sich als Forum für eine wirksame Öffentlichkeitarbeit bewährt und erfreut sich einer zunehmenden Beliebtheit externer Kunden für hochwertige Produkte und Dienstleistungen, die von Menschen mit Behinderung in unseren Werkstätten hergestellt bzw. erbracht werden. Daher leistet die Messe auch einen wichtigen Beitrag zur Inklusion.
  4. Auf der Messe ergeben sich zudem oftmals gewinnbringende Kooperationen mit anderen Trägern, ebenso mit Vertretern aus Industrie und Wirtschaft.

Durch die Teilnahme an der Werkstätten:Messe stellen wir uns zudem als Partner vor Ort den Fragen der Interessierten und bringen uns aktiv in die aktuellen politischen und sozialen Themen mit ein.“

Bei der ConSozial 2016 stand ja das Thema sozial und digital an vorderster Stelle. Immer öfter kommt zum Beispiel das Thema Digitalisierung und Pflegeheime auf, vor allem durch den Einsatz von Pflegerobotern. Inwiefern schätzen Sie solch eine Umsetzung realistisch oder sinnvoll ein?
Werkstätten:Messe
„Das Thema Digitalisierung in der Pflege beschäftigt die Diakonie Neuendettelsau bereits seit vielen Jahren. Dies betrifft nicht nur die digitale Pflegedokumentation, sondern auch den Einsatz elektronischer und IT-gesteuerter Hilfsmittel. Zur wissenschaftlichen Unterstützung leistet die Wilhelm-Löhe-Hochschule der Diakonie Neuendettelsau wichtige Beiträge. Der Einsatz von IT-Technik in der Pflege kann aus unserer Sicht die persönliche Zuwendung und Unterstützung durch qualifizierte Fachkräfte keinesfalls ersetzen. Wenn es allerdings um die wirksame Entlastung der Pflegenden geht, stehen wir dem Einsatz modernen Techniken durchaus aufgeschlossen gegenüber. Dies gilt insbesondere für den Bereich von Sicherungs- und Notrufsystemen, sowie für jeglichen Formen von pflegeunterstützender Technik.“
Auf der Werkstätten:Messe steht der Inklusionsprozess von Menschen mit Behinderung im Mittelpunkt. Was muss sich Ihrer Meinung nach hierfür in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft noch ändern, um Inklusion erfolgreich umzusetzen?
Werkstätten:Messe
„Die Diakonie Neuendettelsau blickt in der Arbeit mit und für Menschen mit Behinderung auf eine über 160-jährige Geschichte zurück und hat die Entwicklungen der Behindertenarbeit in Deutschland entscheidend mitgeprägt. Inklusion stellt für uns einen Prozess dar, der untrennbar mit den Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft verbunden ist. Die Festschreibung von Rechten für Menschen mit Behinderung in der UN-BRK und die langerwartete Reform der Sozialgesetzgebung durch das neue Bundesteilhabegesetz stellen hierzu wichtige Schritte dar, müssen jedoch in der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Realität mit Leben gefüllt werden. Die Diakonie Neuendettelsau leistet hierfür durch viele Maßnahmen und Projekte Beiträge und setzt sich aktiv für die Umsetzung von Inklusion ein.“
Inwiefern hat sich die Arbeits- und Berufswelt der Sozialarbeit in den letzten Jahren weiterhin verändert und welche Entwicklungen haben dabei eine besondere Rolle gespielt?
Werkstätten:Messe
„Die Sozialarbeit war in früheren Jahrzehnten stark geprägt von einem helfenden und fürsorglichen Charakter. Die Entwicklung der vergangenen zwanzig Jahre hat hier erfreulicherweise zu einer Veränderung geführt, bei der Menschen mit Behinderung nicht mehr nur als Objekt, sondern als Subjekt wahrgenommen wurden. Insofern stehen auch in der heutigen Sozialarbeit Teilhabeorientierung und Selbstbestimmung im Vordergrund. Das heißt, unsere Fachkräfte verstehen sich heute als Dienstleister auf Augenhöhe gegenüber ihren Kunden.“
Ein weiteres Thema ist auch die wachsende Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern in den sozialen Berufen. Wie gehen Sie mit diesem Thema in Ihrer Diakonie um und was für Lösungsansätze werden dabei angestrebt?
„Wir halten es für wichtig als Träger auch auszubilden, beispielsweise in der Heilpädagogik, Heilerziehungspflege und Heilerziehungspflegehilfe. In Anbetracht des zunehmenden Fachkräftemangels fühlen wir uns in diesem Ansatz bestätigt und weiten unsere Angebote daher auch kontinuierlich aus – zuletzt mit der Eröffnung einer neuen Schule für Heilerziehungspflege in Nürnberg. Wir qualifizieren in unseren Bildungseinrichtungen Schüler und Studierende, die wir schon in der Ausbildung an die Praxis heranführen. Wir stellen sicher, dass die Auszubildenden für den Einsatz in den Einrichtungen und Diensten praxisorientiert qualifiziert sind. Unsere DiaLog Akademie bietet darüber hinaus Fort- und Weiterbildungen in allen einschlägigen Bereichen an, so dass sich unsere Mitarbeitenden auf die ständig wechselnden Anforderungen einstellen können. Entscheidend ist für uns, die Attraktivität als Arbeitgeber im sozialen Dienstleistungsbereich ständig zu analysieren und durch geeignete Maßnahmen zu verbessern. Dies bestätigen die Ergebnisse aus Umfragen bei Mitarbeitern und Auszubildenden.“
Welche Entwicklungen erwarten Sie dabei für die Zukunft?
Werkstätten:Messe
„In Anbetracht des bereits bestehenden Fachkräftemangels, den zu erwartenden Bedarfen in den nächsten Jahrzehnten, sowie der demographischen Entwicklung werden sich die Bedingungen des sozialen Arbeitsmarktes noch erheblich zuspitzen. Deshalb bedarf es innovativer Strategien und auch veränderten Strukturen sowohl auf Seiten der Leistungsanbieter, als auch auf Seiten der Leistungsträger, um die bisher erreichte Qualität der Versorgung zumindest aufrechterhalten zu können. Dies betrifft auch die künftige Finanzierung von Sozialleistungen- sowohl in der Pflege, als auch in der Eingliederungshilfe. Die Diakonie Neuendettelsau ist bereit, an entsprechenden Prozessen aktiv mitzuwirken und ihre Erfahrungen sowie ihre Innovationskraft hier einzubringen.“
Wenn Sie die Werkstätten:Messe in drei Worten beschreiben könnten, welche wären diese?
„Zukunftsorientiert – Inklusiv – Innovativ“

Die Werkstätten:Messe findet vom Mittwoch, 29. März bis Samstag, 1. April 2017 statt.

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