9. November 1989: 30 Jahre Mauerfall

Mit dem Fall der Mauer in Berlin vor genau 30 Jahren begann für die NürnbergMesse ein beispielloses Wachstum. Ein Blick zurück. /// von 

Ein Stück Mauer - gefunden in der Ausstellung "nineties berlin". Fotorecht: NürnbergMesse

Es ist ein Donnerstag, der die Welt verändert. Exakt um 18:53 Uhr verkündet Günter Schabowski, Mitglied des Zentralkomitees der SED in der DDR, auf einer Pressekonferenz, dass die neue Regelung zur ständigen Ausreise in den Westen seiner Kenntnis nach „sofort, unverzüglich“ in Kraft tritt. Die Meldung geht um die Welt, und so kommt es rasch zu tumultartigen Szenen in Berlin. Kurz vor Mitternacht öffnen die ersten Grenzer die Schlagbäume. Die Menschen liegen sich in den Armen. Die Mauer ist Geschichte.

30 Jahre ist dieser Tag nun her – ein historisches Ereignis, das sich bei Zeitzeugen unwiderruflich ins Gedächtnis gebrannt hat. Wer erinnert sich nicht daran, gebannt die ARD-Tagesschau verfolgt zu haben an jenem Donnerstag? Joachim „Jo“ Brauner mit der gestreiften Krawatte, der leicht verdrehten Anzugjacke und unverkennbarer Freude im Gesicht. „Ausreisewillige DDR-Bürger müssen nicht mehr den Umweg über die Tschechoslowakei nehmen.“ So seine Worte.

Generation Mauerfall

Die Generation Mauerfall ist inzwischen 30 Jahre alt, sodass junge Menschen die Ost-Westteilung gar nicht mehr kennen. Und spätestens mit dem Internet ist die Welt noch enger zusammengewachsen – man schließt Geschäfte rund um den Erdball, kommuniziert digital und in Echtzeit über die sozialen Netzwerke, tauscht sich aus auf internationalen Messen, so auch in Nürnberg, mit Ausstellern und Besuchern aus aller Herren Länder über Neuheiten und Produkte.

Die NürnbergMesse war zum Zeitpunkt des Mauerfalls 15 Jahre alt. Rund 50 Mitarbeiter waren zu dieser Zeit im Messezentrum angestellt. Sie sollten von nun an in vergleichsweise kurzer Zeit einen Aufschwung erleben, wie es ihn bei keiner anderen deutschen Messegesellschaft gegeben hat. Denn Nürnberg lag mit einem Schlag wieder im Zentrum von Europa. In den ersten Wochenenden nach der Grenzöffnung kamen Zehntausende in die Frankenmetropole – mit dem Zug oder dem berühmten „Trabi“.

Besucher und Aussteller aus der DDR

Der Mauerfall beflügelt auch die Wirtschaft in Bayern. Nach Angaben des Historischen Lexikons der Bayerischen Staatsbibliothek wächst das Bruttosozialprodukt in den Jahren 1990 und 1991 um jeweils mehr als fünf Prozent. Auch die NürnbergMesse verzeichnete nach dem Mauerfall ein schlagartiges Besucher-Plus. So kamen zur BrauBeviale nur wenige Tage nach dem Mauerfall bereits 100 Besucher aus der DDR, im Jahr darauf schon 2.500. Die GaLaBau durfte 2.400 Menschen aus den neuen Bundesländern begrüßen. Und bei der FachPack im Jahr 1990 schließlich machten sich 850 auf den Weg. Bei den Ausstellern gab es 1989 schon alte Bekannte. Vor dem Fall des Eisernen Vorhangs hatten hier 57 Firmen aus den Ostblockländern Stände, allein 32 davon aus der DDR (Quelle: Messe & Co, 3/2014)

Aufbruch in die „Goldenen Neunziger“

„30 Jahre Mauerfall – das ist für uns ein besonderer Tag. Mit einem Mal waren wir zurück im Zentrum von Europa. Keine andere deutsche Messegesellschaft ist seit 1989 so schnell gewachsen wie wir – um den Faktor 20.“ Für Dr. Roland Fleck, CEO der NürnbergMesse, war der Mauerfall der Beginn der „Goldenen Zwanziger“. Denn keine andere Messegesellschaft erlebt in den kommenden Jahren einen so rasanten Aufschwung. Aus 50 Mitarbeitern werden bis heute mehr als 1.000 – 500 allein in Nürnberg. Der Umsatz wächst um den Faktor 20 von 15,6 auf heute 315,1 Millionen Euro. Zudem gründet das 1989 rein fränkische Unternehmen internationale Tochtergesellschaften in Italien, Nordamerika, China, Brasilien, Indien und Griechenland und rückt auf in die Top 15 der weltweit größten Messegesellschaften. Davon profitieren auch die Stadt Nürnberg sowie die gesamte Metropolregion und der Freistaat Bayern. Aussteller und Besucher reisen an, übernachten oder vergeben Aufträge zum Messestandbau. Die Summe dieser Aktivitäten ergeben laut ifo-Institut (Stand 2015) deutschlandweit Kaufkrafteffekte von 1,65 Milliarden Euro. Pro Jahr.

Die NürnbergMesse feierte 2014 ihr 40-jähriges Bestehen – 25 Jahre nach dem Mauerfall. Im Bild: die CEOs Peter Ottmann (l.) und Dr. Roland Fleck. Fotorecht: Manfred Gillert

Ein paar Zahlen

  • Umsatz: 15,6 Mio. Euro (30,7 Mio. DM) in 1989, heute: 315,1 Mio. Euro
  • Mitarbeiter: keine Daten von 1989, 1988 waren es 61 Mitarbeiter, heute über 500 in Nürnberg, über 1.000 weltweit
  • Besucher: 996.352 in 1989, heute über 1,5 Mio.
  • Aussteller: 9.828 in 1989, heute 35.462
  • Veranstaltungen: 127 in 1989, heute 181 in der NürnbergMesse Group
  • Brutto-Ausstellungsfläche: 86.000 Quadratmeter in 1989, heute 180.000
  • Hallen 1989: Hallen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 plus Frankenhalle –  Halle 1 und 9 waren noch getrennt in je zwei Hallen. Außerdem hatten die Hallen damals keine Zahlen als Namen, sondern Buchstaben
  • Hallen heute: 16 Hallen, davon eine Mehrzweckhalle, außerdem Tagungsräume für über 12.800 Teilnehmer, 7 Restaurants, 7 Bistros, 3 Cafés, 13.500 Parkplätze, 6 Stromladestationen
  • Internationalität: erster vorliegender Wert (1991): 17 Prozent, heute 47 Prozent am Messezentrum Nürnberg und 44 Prozent in der NürnbergMesse Group
  • Standorte: 1989 ein Messezentrum, heute elf Standorte in Nürnberg, Langenhagen bei Hannover, Wien, Mailand, Athen, Atlanta, São Paulo, Shanghai, Neu-Delhi, Bangalore und Mumbai

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