Refill: Durst löschen und Plastik vermeiden

So geht Zero Waste: In vielen Städten können sich Menschen heute in Geschäften, Vereinen, Cafès und Restaurants ihre eigene Trinkflasche mit Wasser auffüllen /// von 

Beitragsbild-NM-fairmag-Refill-Deutschland Foto: Refill Deutschland

Weniger Plastik wäre gut – wie das zum Beispiel beim Thema Trinkwasser geht, das zeigt das Projekt Refill. Dem schließen sich immer mehr Städte an. Und so wird es immer leichter, auch im Hochsommer unterwegs jederzeit den Durst zu löschen und gleichzeitig Müll zu vermeiden. Das ist ganz im Sinne von Zero Waste!

Nicht erst seit der Zero-Waste-Bewegung und einer wachsenden Öffentlichkeit zum Thema Plastik zum Beispiel in den Weltmeeren, gibt es zahlreiche Initiativen, die sich für den Einkauf in Unverpackt-Läden, die Einsparung von Plastik-Verpackungen und -tüten sowie generelle Reduzierung von Plastik-Müll einsetzen – auch auf EU-Ebene. Die Nürnberger Zero-Waste-Initiative rund um Bluepingu ist mit ihrer Aktion „Sei ein Beuteltier“ jüngst sogar in Brüssel für ihr Engagement ausgezeichnet worden. Bluepingu ist auch Initiator von Refill Nürnberg und sorgt damit dafür, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Trinkflaschen unterwegs kostenlos mit Leitungswasser – das in Deutschland Trinkwasserqualität hat – auffüllen können.

 „Seit 1950 wurden unglaubliche 8,3 Milliarden Tonnen Plastik erzeugt“

Durst löschen! Aber bitte ohne Plastik!

Wasser ist Leben sagt man. Plastik hingegen gefährdet unsere Weltmeere. Und nicht nur dadurch gefährdet Plastik auch das Leben auf unserem „blauen“ Planeten als Ganzes. Seit 1950 wurden unglaubliche 8,3 Milliarden Tonnen Plastik erzeugt. Das entspricht dem Gewicht von 822.000 Eiffeltürmen aus blankem Stahl. Einen großen Teil des Problems macht Wegwerf-Plastik aus. 42 Prozent des bisher erzeugten Plastiks werden nur ein einziges Mal verwendet, bevor sie im Müll landen. Viele Becher, Flaschen und Tüten sind gerade einmal fünf Minuten im Einsatz, bevor sie für hunderte Jahre unseren Planeten verunstalten.

„42 Prozent des bisher erzeugten Plastiks werden nur ein einziges Mal verwendet, bevor sie im Müll landen“

Zeit umzudenken? Das dachte sich auf jeden Fall Stephanie Wiermann und ist mit dem Projekt „Refill Deutschland“ in Hamburg an den Start gegangen. Am 24. März 2017 hat die Bloggerin, die 2015 in Bristol geborene Idee adaptiert. Seither beteiligen sich in ganz Deutschland Geschäfte, Vereine, Cafés und Restaurants, die Kunden und Passanten, die eine Flasche mitbringen, kostenlos Leitungswasser aus- beziehungsweise nach-schenken. Dass sie Teil des Projektes sind, zeigen die Refill-Stationen mit einem blauen Aufkleber am Fenster oder an der Tür.

Im Juni 2018 wurde Refill Deutschland der Next Organic Berlin Award in der Kategorie Zero Waste verliehen. Bereits zum Weltwassertag am 22. März 2018 konnte die Initiative 100 neue Punkte auf ihrer Landkarte ausweisen. Innerhalb eines Jahres haben sich 1.316 Refill-Stationen in 60 Städten etabliert, aktuell sind es fast 2.000. Darunter auch Nürnberg, initiiert von Bluepingu e.V. mit seinem Vorstand Frank Braun.

Frank Braun von Bluepingu, im Interview

Beitragsbild3-NM-fairmag-Refill-Deutschland

Von links: Frank Braun, Roland Mietke und Michael Steffen, Bluepingu e.V.

Kurz und knapp, Frank: Was macht für Dich den Gedanken von Zero Waste aus?
Frank: Wertschätzend mit unseren Ressourcen umzugehen. Mit ein wenig Voraussicht können wir ganz einfach an vielen Stellen Müll vermeiden. Und das Schöne am Thema: Hier sparen wir sogar noch Geld

 

 

Mit Bluepingu setzt Ihr Euch – neben weiteren ökologischen Aspekten wie Bio und Fairtrade – für Müll- und Plastikvermeidung ein: Was ist Eure Hauptmotivation?
Frank: Es ist ein Thema das uns alle angeht. Jeder von uns kann hier beim Einkauf, zu Hause, auf Reisen einen Beitrag leisten.

Wasser wertschätzen, Plastik vermeiden und Bio kaufen

Wie fügt sich bei alledem die Initiative Refill ein? Was ist Euch dabei besonders wichtig?
Frank: Bei Refill geht es darum zu zeigen, dass wir in einem Land leben, wo Leitungswasser tatsächlich Trinkwasser-Qualität hat. Dieses wertzuschätzen und vielleicht auf den Kauf von Plastikflaschen zu verzichten und so auch Geld zu sparen, um sich z.B. gute regionale Bio-Lebensmittel zu leisten, ist uns wichtig.

Zero Waste auf Fränkisch: Sei ein Frängeroo

Beitragsbild2-NM-fairmag-Refill-Deutschland

Sei ein Beuteltier – Ein Projekt von Bluepingu e.V.

Für Euer Projekt „Sei ein Beuteltier“ seid Ihr dieses Jahr zur Europäischen Woche der Abfallvermeidung (EWWR) in Brüssel von der EU ausgezeichnet worden – Glückwunsch! Was ist das Hauptanliegen dieser Aktion?
Frank: Hier geht es darum mit den Bäckereien daran zu arbeiten, die dort anfallenden Müllmengen zu reduzieren. Da sind zum einen die Milliarden Papiertüten für Brot und Brötchen (die Produktion einer Tonne Papier benötigt genau so viel Energie, wie die Produktion einer Tonne Stahl), die wir auch wunderbar in einem mitgebrachten Beutel unterbringen können. Zum anderen sind da die 2,8 Milliarden Coffee-to-go Becher, die wir alleine in Deutschland verschwendet haben. Hier können wir uns entweder die Zeit nehmen, diesen in Ruhe in der Tasse vor Ort zu genießen oder einen eigenen To-Go-Becher mitbringen. Unser „Frängaroo“, das uns der Nürnberger Zeichner Gymmick dankenswerter Weise geschaffen hat, will mit Humor diese Möglichkeiten aufzeigen. So ist das Motto: „Sei ein Beuteltier, spar dir die Tüte“.

Und wie geht es weiter? Sind weitere Aktionen geplant?
Gerade planen wir die Aktion auch auf die Landkreise um Nürnberg auszuweiten. Unsere Vision wäre ein firmenübergreifendes Pfandsystem für Kaffeebecher in der Metropolregion.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*