Eine Stadt für übermorgen

Europa sucht seine Kulturhauptstädte für 2025 in Slowenien und Deutschland. Unter den sechs deutschen Bewerbern ist auch Nürnberg.  /// von 

Foto: Stadt Nürnberg

Die Wiege Europas liegt im antiken Griechenland. Logisch, dass Athen im Jahr 1985 zur ersten Europäischen Kulturhauptstadt erkoren wurde. Seitdem vergibt die Europäische Kommission jährlich den Titel, um Reichtum und Vielfalt der Kulturen in Europa zu feiern. Gefeiert wurde 1988 mit Berlin erstmals eine deutsche Kulturhauptstadt Europas. Es folgte die Goethe- und Schiller-Stadt Weimar im Jahr 1999 und Essen präsentierte im Jahr 2010 ein Zukunftsmodell für das Ruhrgebiet. Zusammen mit Slowenien stellt Deutschland im Jahr 2025 das nächste Mal eine Kulturhauptstadt. Wem die europaweite Aufmerksamkeit dann gilt, entscheidet sich in einem Bewerbungsprozess, der bereits in vollem Gange ist.

6 deutsche Bewerber

Kulturhauptstadt 2025: Neues Museum Nürnberg

Moderne Kunst hat seine Heimat im Neuen Museum. Foto: Stadt Nürnberg

Die deutschen Bewerber stehen fest: Neben Chemnitz, Dresden, Hannover, Hildesheim und Magdeburg gab der Nürnberger Stadtrat vor gut einem Jahr grünes Licht. „Die Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt 2025 ist eine wegweisende Entscheidung für die Zukunft Nürnbergs“, so Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly damals. Es folgte eine Kampagne, die in Mitrede- und Mitmach-Aktionen über die Bewerbung informierte. In über 60 Veranstaltungen diskutierten Kulturexperten der Stadt und aus ganz Deutschland mit Bürgern aus Nürnberg und der Region über mögliche Themen der Bewerbung.

In Rankings zur Lebensqualität rangiert Nürnberg regelmäßig auf Spitzenplätzen. Doch die Bewerbung um die Kulturhauptstadt ist kein Schönheitswettbewerb, betont Nürnbergs Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner. Den kritischen Blick in den Spiegel empfiehlt auch der Kulturwissenschaftler Oliver Scheytt: „Ohne eine innere Entwicklung und Selbstreflexion dessen, was eine Stadt ausmacht, was ihre Identität ist, wird man den Wettbewerb nicht gewinnen.“ Scheytt war als Geschäftsführer der Ruhr.2010 GmbH maßgeblich beteiligt an der erfolgreichen Bewerbung von Essen. Von seinen Erfahrungen will Nürnberg profitieren.

Kulturhauptstadt 2025: Blaue Nacht Nürnberg

Kultur für alle: Die Blaue Nacht zieht jährlich über 140.000 Besucher in die Stadt. Foto: Stadt Nürnberg

Dazu zählt auch, möglichst viele Menschen an dem Prozess zu beteiligen. So richtete sich der Videowettbewerb „Colours of Nürnberg“ gezielt an junge Menschen. Ihren Blick auf Nürnberg, Zukunftsvisionen und Wünsche sollten sie filmisch darstellen. Mit der Aktion „Wirbank“ kommt das Thema Kulturhauptstadt direkt zu den Menschen. In Firmenkantinen, im Kindergarten oder in der Fußgängerzone können Bürger Platz nehmen und ihre Wünsche an eine Kulturhauptstadt Nürnberg 2025 festhalten.

100-seitige Bewerbung

Gesammelt werden die Ergebnisse der verschiedenen Aktionen im Bewerbungsbüro, das mitten in der Altstadt im Frühjahr 2017 eröffnet wurde. In Sichtweite zu den Touristenmagneten Heilig-Geist-Spital und Frauenkirche arbeiten drei Mitarbeiter unter Leitung des Kulturmanagers Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner am nächsten Schritt der Bewerbung: einem etwa 100-seitigen Bewerbungsbuch und der Beantwortung des Fragenkatalogs der Europäischen Kommission. Ein Buch mit sieben Siegel ist die Aufgabe für Wagner nicht: Als Kulturreferent war er bereits an der Bewerbung Kölns als Kulturhauptstadt 2010 beteiligt.

Kulturhauptstadt 2025: Opernhaus Nürnberg

Für jeden eine Bühne will das Staatstheater Nürnberg bieten – auch im Opernhaus. Foto: Stadt Nürnberg

Neben den städtischen Aktivitäten erhält die Bewerbung Nürnbergs zusätzlich Rückenwind durch die Initiative „Pro Nürnberg Kulturhauptstadt 2025“ oder kurz: #NUE2025. Die Plattform ist offen für alle, – ob Einzelperson, Verein oder Firma – die sich für Nürnberg als Europäische Kulturhauptstadt 2025 engagieren wollen. Ganz nach dem Motto: Die Bewerbung kann nur erfolgreich werden, wenn sie eine Bewerbung der Bürger wird.

Talk aus der NürnbergMesse

Welche Erwartungen Kulturschaffende, die Stadt Nürnberg und auch die Unternehmen in Mittelfranken an die Bewerbung Nürnbergs als „Kulturhauptstadt 2025“ knüpfen, diskutieren bei „3plus1 – der Talk aus der NürnbergMesse“ die Kulturreferentin der Stadt Nürnberg, Prof. Dr. Julia Lehner, die Direktorin des Neuen Museums Nürnberg, Dr. Eva Kraus, und der Präsident der IHK Nürnberg für Mittelfranken, Dirk von Vopelius.

 

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