„Ihr Herrn und Frau’n, die Ihr einst Kinder wart, …“

Jeder in Nürnberg kennt diese Zeile. Als "Christkind" hat Rebekka Volland den weltberühmten Nürnberger Christkindlesmarkt eröffnet. /// von 

Nürnberger Christkind Rebekka Volland spricht den Prolog als Nürnberger Christkind auf der Empore der Frauenkirche

In Nürnberg geboren, international unterwegs. Das weltberühmte Nürnberger Christkind ist die Botschafterin der Stadt Nürnberg. Alle zwei Jahre wird sie von einer Jury gewählt. Schwindelfrei, wetterfest und möglichst in Nürnberg geboren sollten die Bewerberinnen sein. Herzlich, offen und belastbar sind weitere Kriterien. Erfüllt hat diese Rebekka Volland. Das ehemalige Nürnberger Christkind arbeitet bei der NürnbergMesse im Bereich Gastmessen & Convention Center.

Nürnberger Christkind

An das Medieninteresse musste sich Rebekka als Nürnberger Christkind erst gewöhnen.

Rebekka, du warst das „Nürnberger Christkind“. Wann war das und wie kam es dazu?
Rebekka Volland: „Nürnberger Christkind“ war ich in den Jahren 2007 und 2008. Danach folgten zwei Jahre – bei mir 2009 und 2010 – in denen ich Nürnberg im Ausland repräsentiert habe. Man reist in die Partnerstädte und wirbt für die Weihnachtsstadt Nürnberg und für den Christkindlesmarkt. Die Entscheidung mich zu bewerben, kam relativ spontan. Im Radio hatte ich ein Interview von Eva Sattler, meiner Vorgängerin als Christkind gehört und zum ersten Mal von den Aufgaben des Amtes erfahren. Besonders die sozialen Themen fand ich dabei spannend. Privat hatte ich mich damals als Leiterin der katholischen Jugendgruppe in unserem Dorf engagiert.

Nürnberger Christkind

Mehrere Weihnachtsgeschichten hatte Rebekka für ihre Besuche in Kindergärten und sozialen Einrichtungen vorbereitet.

Zwischen der Wahl zum Nürnberger Christkind und dem Prolog auf der Empore der Nürnberger Frauenkirche liegen einige Wochen. Was passiert in dieser Zeit?
Die Wahl war im September oder Oktober. In den Wochen bis zur Eröffnung des Christkindlesmarktes am ersten Adventswochenende lernt man vor allem den Prolog auswendig. Dabei bekommt man Unterstützung vom Staatstheater in Form von Sprachübungen. Großer Wert wird darauf gelegt, dass jedes Mädchen seine eigene Art zu Sprechen beibehält und sich nicht verstellt. Außerdem wird in dieser Zeit das goldene Gewand des Christkindes angepasst. Und ich habe Geschichten und Gedichte vorbereitet für Besuche auf Weihnachtsmärkten und in Kindergärten. Gleichzeitig wachsen natürlich die Anspannung und die Aufmerksamkeit durch die Medien. Daran muss man sich erst gewöhnen!

Nürnberger Christkind

Den Menschen zuzuhören, war Rebekka als Christkind besonders wichtig.

Bei der Eröffnung des Christkindlesmarktes hast du zu Tausenden Besuchern aus aller Welt gesprochen. Wie war das und an welche Erlebnisse erinnerst du dich besonders gerne?
Der Prolog auf der Empore der Frauenkirche war ein tolles Erlebnis! Aber man ist dabei auch so aufgeregt und hat tausend Gedanken gleichzeitig im Kopf, sodass sich die gut drei Minuten wie eine Sekunde anfühlen. Im Nachhinein wünscht man sich, alles nochmal in der Vogelperspektive betrachten zu können. Zum Glück gibt es viele Aufnahmen davon! Besonders schön fand ich Heiligabend als Christkind. Da waren wir den ganzen Tag unterwegs bei Gemeinden und sozialen Einrichtungen, wo Ehrenamtliche im Einsatz sind, um Obdachlosen oder schwächeren Familien ein Weihnachtsfest zu bereiten. Ich fand es total schön zu sehen, wie sich Leute zurücknehmen und auf das eigene Fest verzichten, um andere Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.
Was macht das Nürnberger Christkind nach Weihnachten?
Schlafen! (Lacht) Nach der langen Weihnachtszeit ist man ganz schön platt. Auch dieses Jahr sind es ganze vier Wochen, in denen das Christkind von früh bis spät im Einsatz ist. Ich habe in dieser Zeit so viel erlebt und mit vielen Menschen gesprochen, aber verarbeiten konnte ich das erst nach Weihnachten. Als es dann ruhiger wurde, hatte ich auch endlich Zeit die vielen Briefe und Wunschzettel zu lesen, die ich erhalten hatte.

Nürnberger Christkind

Nicht nur bei den Kleinen ganz groß: Rebekka Volland als Nürnberger Christkind.

Auch Besuche in Nürnbergs Partnerstädten gehören zu den Aufgaben des Nürnberger Christkindes. Was waren deine Aufgaben im Ausland?
Nach zwei Jahren in Nürnberg, wird man quasi zum „internationalen“ Christkind. Ich bin damals u.a. nach Chicago gereist, habe den dortigen Weihnachtsmarkt besucht und viele Menschen getroffen, die die deutschen Weihnachtstraditionen in Amerika verbreiten. Als Nürnberger Christkind wirbt man natürlich für die Stadt und den Brauch des Weihnachtsmarktes an sich. Dazu gehört auch viel Aufklärungsarbeit. Mit Krone und goldenem Gewand halten die Amerikaner das Christkind auf den ersten Blick für eine „Christmas Fairy“, eine Weihnachtsfee. Schön waren auch zahlreiche Begegnungen mit älteren Menschen, die ausgewandert sind, oder mit Nachfahren von Emigranten, die sich noch an Erlebnisse in Deutschland erinnerten. Die Rolle des Christkindes ist in solchen Momenten eher passiv: Man muss offen sein und ein Ohr haben für die Geschichten der Menschen.
Hast du noch Kontakt zu den „ehemaligen Christkindern“?
Ja, wir sind in Kontakt und haben sogar eine WhatsApp-Gruppe! Jedes Jahr am 24. Dezember gibt es auch das traditionelle Treffen der ehemaligen Christkinder mit dem amtierenden Christkind auf dem Christkindlesmarkt.
Hast du noch einen Tipp für das amtierende Christkind?
Barbara Otto macht das ja jetzt schon zum zweiten Mal. Mein Tipp lautet daher: Einfach genießen, auskosten und das besondere Erlebnis ganz bewusst angehen.
Vielen Dank für das Gespräch, Rebekka!

1 Kommentar

  1. Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Der Christkindlesmarkt Nürnberg ist immer einen Besuch wert. Wenn ich meine Bekannte in Nürnberg besuche steht der bei uns immer mit auf dem Programm.

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