Mit System gegen den Stau

Die Verkehrsleitzentrale überwacht Verkehrsströme rund um das Messezentrum und lenkt Messebesucher möglichst staufrei zum Ziel. /// von 

Verkehrsleitzentrale NürnbergMesse Foto: NürnbergMesse

Veranstaltungen an mehr als 300 Tagen im Jahr, darunter Großveranstaltungen mit bis zu 100.000 Besuchern in den Veranstaltungszentren im Nürnberger Süden – NürnbergMesse, Stadion und ARENA – stellen das gesamte Verkehrsnetz im Großraum vor Herausforderungen. Um eine reibungslose An- und Abreise der Besucher zu gewährleisten und Stau zu vermeiden, überwacht die Verkehrsleitzentrale (VLZ) im Messezentrum Nürnberg das Verkehrsgeschehen und greift bei Bedarf aktiv ein. Wie das genau funktioniert, erklärt Dominik Fischer aus dem Bereich Verkehr & Logistikmanagement bei der NürnbergMesse im Interview.

Verkehrsleitzentrale NürnbergMesse

Dominik Fischer aus dem Bereich Verkehr & Logistikmanagement, Foto: NürnbergMesse

Herr Fischer, was genau macht die Verkehrsleitzentrale?
Unser Ziel ist es, die Anfahrtsrouten zur NürnbergMesse bei starker Auslastung gezielt so zu steuern, dass Staus und lange Wartezeiten gar nicht erst entstehen. Dazu wurde 2004 das sogenannte „Dynamische Verkehrsleitsystem Messe/Stadion/ARENA“ eingerichtet, über das wir die Verkehrsströme mit 150 dynamischen Wechselwegweisern auf rund 70 Kilometern Autobahn und 33 Kilometern Stadtstraße lenken können.

Verkehrsleitzentrale NürnbergMesse

Die Mitarbeiter in der VLZ beobachten und lenken die Anfahrt zum Messegelände, Foto: NürnbergMesse

Wie profitiert der Messebesucher davon?
Den mit dem Auto anreisenden Ausstellern und Besuchern wird bereits auf den Autobahnen rund um Nürnberg die richtige Route zur gewünschten Veranstaltung – gesteuert durch die VLZ – angezeigt. Wenn zum Beispiel eine Messe, ein Kongress und ein Fußballspiel gleichzeitig stattfinden, können wir in der VLZ drei verschiedene Veranstaltungsziele getrennt voneinander ausweisen und den Besuchern somit die schnellste Route zu ihrem jeweiligen Ziel anzeigen.

Wer beteiligt sich an der VLZ?
Hoheitlich vertreten sind wir in der Verkehrsleitzentrale durch die Stadt Nürnberg und die Polizei, während das Verkehrsplanungsamt Nürnberg das Ingenieur-Hintergrundwissen liefert. Finanziert wurde das System als Gemeinschaftsprojekt des Bundesministeriums für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen, der Stadt Nürnberg und der NürnbergMesse und vom Freistaat Bayern gefördert.

Verkehrsleitzentrale NürnbergMesse

An der VLZ beteiligen sich Polizei, Stadt Nürnberg und NürnbergMesse, Foto: NürnbergMesse

Wie werden die Abläufe in der Zentrale koordiniert?
Der Verkehr wird durchgehend mit Hilfe von Kameras und Messstationen im Boden beobachtet. Sobald die Verkehrsdichte zunimmt, zeigt das System stark belastete Streckenabschnitte rot an. Die Mitarbeiter in der VLZ sorgen dafür, dass diese Bereiche durch das Anzeigen von Alternativrouten oder durch die Anpassung der Ampel-Grünphasen entlastet werden. Gemeinsam mit den Kollegen vom Verkehrsplanungsamt beobachte ich im Hintergrund, an welchen Stellen das System verbessert werden kann. Bei den großen Messen wie der SPS IPC Drives oder der HOLZ-HANDWERK und FENSTERBAU FRONTALE sind immer die Verkehrsbehörde, die Polizei und die Mitarbeiter der NürnbergMesse vor Ort in der Verkehrsleitzentrale.

Verkehrsleitzentrale NürnbergMesse

Mit System lassen sich Verkehrsprobleme vermeiden, Foto: NürnbergMesse

Inwiefern hat sich die Verkehrssituation im Raum Nürnberg verbessert?
Das System wurde schon vor dem Start zwei Mal ausgezeichnet: 2002 erhielt es den ersten Preis der Bundesvereinigung der Straßenbau- und Verkehrsingenieure im deutschlandweiten Wettbewerb „Straßen für Bürger – intelligente und sichere Straßen“, ein Jahr später den Mobilitätspreis des ADAC. Seit der Inbetriebnahme haben sich die Verkehrsprobleme insgesamt deutlich verringert und auch außerhalb der Messezeiten lassen sich mit dem Leitsystem die Verkehrsrouten im Stadtgebiet deutlich entlasten. Dennoch wird es bei dem aktuellen Verkehrsaufkommen nicht bleiben und wir müssen immer auf zukünftige Veränderungen vorbereitet sein.

Verkehrsleitzentrale NürnbergMesse

Über Verkehrskameras lassen sich erste Anzeichen von Stau früh erkennen, Foto: NürnbergMesse

Wie wird das Verkehrsleitsystem an kommende Herausforderungen angepasst?
Die Verkehrsbelastung wird weiter zunehmen. Deswegen sind eine langfristige Planung und ein flexibles System, das sich nach Bedarf anpassen und weiterentwickeln lässt, besonders wichtig. Kurzfristige Maßnahmen können zum Beispiel das Verschieben von Messezeiten zur Entlastung des morgendlichen Pendlerverkehrs oder das Zurückbauen von Baustellen sein. Langfristig käme der Ausbau von Straßen in Frage und die Integration von neuen Routen in das System. 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

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