Nürnberger Cricket-Cracks

Nummer eins in Bayern – was für den Bundesliga-Rückkehrer 1. FC Nürnberg ein Ziel ist, haben in diesem Jahr andere Nürnberger geschafft: die Cracks des Nürnberg Cricket Club. /// von 

NMfairmag-Beitragsbild-Cricket-Nürnberg Naveed Ulhaq brachte seine Liebe zum Cricket mit nach Nürnberg. Foto: NCC

Sie kommen aus Indien, Pakistan, Afghanistan, Sri Lanka und England, wohnen und arbeiten in der Metropolregion Nürnberg. Aber das Wochenende gehört dem Sport, ihrem Sport: Cricket. Außer es spielt gerade der 1. FC Nürnberg um den Aufstieg in die Bundesliga – wie in der vergangenen Saison. „Da war ich ein paar Mal im Stadion“, erzählt Naveed Ulhaq. Der 36-jährige Kapitän des Nürnberg Cricket Club kam 2005 aus Indien nach Deutschland, machte an der Technischen Universität München den Master, ehe es ihn 2007 nach Nürnberg zog und er als Ingenieur bei Intel Mobile Communications anheuerte. In der Aufstiegssaison wurde er zum Fan des 1. FCN, hat mitgelitten und mitgejubelt: „Das Saisonfinale war spannend. Und als wir den Aufstieg geschafft hatten, war die Stimmung in der Stadt gigantisch.“

„Fast wie eine Religion“

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Bei der Gründung des ersten Cricket-Clubs in Nürnberg wurde Naveed Ulhaq vom ATV 1873 Frankonia Nürnberg unterstützt. Foto: NCC

Ähnlich emotional wie hierzulande beim Fußball geht es in Indien bei Spielen des Nationalsports Cricket zu. Bei der Vorrundenpartie der Cricket-Weltmeisterschaft 2015 zwischen Indien und Pakistan gab es mit rund einer Milliarde Fernsehzuschauern in etwa so viele, wie beim Finale der Fußball-WM 2014 zwischen Deutschland und Argentinien.

„In Indien wird Cricket überall gespielt.“

„In Indien wird Cricket überall gespielt und es ist die Sportart mit den meisten Zuschauern“, weiß Naveed Ulhaq, „Für viele ist es fast wie eine Religion.“ Parallelen zum Fußball sind auch da, wenn es um Mannschaftsstärke – jeweils elf Spieler – und um den Ursprung geht. Denn für Cricket und Fußball gilt England als Mutterland und beide haben sich über die ganze Welt verbreitet.

Zweifacher Bayerischer Meister

Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Cricket auch in Deutschland gespielt, als Massensport durchgesetzt hat es sich hierzulande allerdings nie. Es gibt zwar eine deutsche Nationalmannschaft, die aber in der Weltrangliste genauso unter „ferner liefen“ rangiert, wie das indische Fußball-Nationalteam. Das mag am komplizierten Regelwerk liegen. Cricket ist ein Vorläufer des amerikanischen Baseball. Oder es ist die Länge der Wettbewerbe. Der Spielmodus „Test“ dauert fünf Tage, „One Day“ kann über acht Stunden oder mehr gehen. Deshalb wurde nach der Jahrtausendwende die rasantere und dynamischere Version „T20“ eingeführt.

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Der NCC ist bereits zweifacher Bayerischer Meister. Foto: NCC

Und dabei schlägt sich Nürnberg mehr als nur passabel. Erst 2012 gegründet, wurde der Nürnberg Cricket Club bereits 2013 und 2016 Bayerischer Meister und kam bei den gesamtdeutschen Titelkämpfen bis ins Viertel- bzw. Halbfinale. Dass es so schnell ging mit den Erfolgen, ist auch den Verantwortlichen des ATV 1873 Frankonia Nürnberg zu verdanken. Naveed Ulhaq ist heute noch begeistert, dass alles so einfach lief: „Sie haben nicht nur die neue Abteilung Cricket gegründet, sondern uns auch bei der Ausrüstung unterstützt.“ Schwieriger gestaltete sich hingegen die Suche nach einem geeigneten Spielfeld, da es die Größe von zwei Fußballfeldern haben muss. Im Nürnberger Stadtteil Werderau wurde man schließlich fündig.

Dort geht es nun um Striker, Innings und Runs – Begriffe und Spielregeln, die ähnlich denen im Baseball sind. Den Unterschied machen die großflächigeren Schläger, die Wurftechnik – der Ball muss mit geradem Arm und durchgedrücktem Ellbogen über den Kopf geschleudert werden – und die angesetzten Teepausen, wenn ein Spiel den ganzen Tag lang dauert. „Das kann ich alles gerne jedem erklären, der uns beim Training oder Spiel zuschauen oder den Sport erlernen will“, verspricht Naveed Ulhaq. „Wir möchten auch noch eine Damenmannschaft und Nachwuchsteams bilden“. An Plänen und Träumen mangelt es dem Neu-Franken und zweifachen Derby-Sieger 2018 – gegen München und Augsburg – nicht. Kann gut sein, dass er bei den Derbys der „Cluberer“ als Glücksbringer im Max-Morlock-Stadion die Daumen drücken wird.

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