São Paulo – Brasiliens unterschätzte Weltmetropole

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São Paulo Ibirapuera Park Blick auf São Paulo vom Ibirapuera Park. Er ist einer der größten Parks in Lateinamerika. Foto: istockphoto.com/alffoto

Wenn wir an Brasilien denken, dann schießen uns meist Bilder von Karneval, Copacabana, Caipirinha oder Samba in den Kopf – diese Stereotype haben sich uns spätestens seit der FIFA-Weltmeisterschaft 2014 eingeprägt. Doch Brasilen ist viel mehr als das. Ein Beispiel für die Vielfältigkeit des Landes liefert São Paulo, das Wirtschafts- und Kulturzentrum Brasiliens. Wenn in der Gunst ausländischer Touristen auch abgeschlagen und oftmals unterschätzt, glänzt die Weltmetropole mit ansehnlichen Attraktionen – häufig erkennt man diese allerdings erst auf den zweiten Blick.

Wegen ihrer einzigartigen ethnischen Vielfalt, dem vielschichtigen Kulturangebot und dem niemals

Brasilianische Lebensfreude

Foto: istockphoto.com/FilippoBacci

endenden Nachtleben gilt sie schon lange als unbestrittenes kulturelles Zentrum Brasiliens. Mit 20 Millionen Einwohnern, ist sie die größte Stadt Südamerikas und der größte Ballungsraum der südlichen Hemisphäre. Wohl wahr, das Stadtbild ist geprägt von Hochhäusern soweit das Auge reicht und das permanente Verkehrschaos stellt ein massives Problem dar: In der Mega-City verbringen die Einwohner São Paulos, die sogenannten Paulistanos, durchschnittlich drei Stunden im Berufsverkehr. Im Jahr 2013 wurde ein neuer Rekord von 309 Kilometern Stau an nur einem Abend geknackt. Das entspricht in etwa der Fahrtstrecke von Nürnberg nach Dresden. Wer kann, steigt deshalb auf den Transfer per Helikopter um. Mit 500 registrierten Hubschraubern hat São Paulo die größte Hubschrauberflotte der Welt.

São Paulo steht zwar für Hektik und Chaos, gleichzeitig aber auch für Organisation und Effizienz. Als Wirtschaftsstandort glänzt São Paulo über die Landesgrenzen hinweg. 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Brasiliens werden hier erwirtschaftet. Mit über 1.000 deutschen Unternehmen ist São Paulo zudem der größte deutsche Industriestandort außerhalb der Bundesrepublik. Das Netzwerk deutscher Firmen und Institutionen ist sehr dicht und die größte Auslandshandelskammer (AHK) der Welt hat hier ihren Sitz. São Paulo besitzt fünf große Messegelände und ist damit ein wirtschaftlicher Knotenpunkt und die bedeutendste Messestadt Südamerikas.

„Die Rolle São Paulos ist es, Brasilien mit dem Rest der Welt zu verbinden“

„Die Rolle São Paulos ist es, Brasilien mit dem Rest der Welt zu verbinden“, so der brasilianische Filmproduzent Ugo Giorgetti. Dieser Ausspruch trifft nicht nur auf wirtschaftlicher Seite zu. São Paulo ist die ethnisch vielseitigste Stadt Brasiliens und damit ein Melting Pot der verschiedenen Nationalitäten. Die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen haben die Stadt geprägt und den jeweiligen Stadtteilen ihre Spezifika übertragen. Die größten Minderheiten sind die portugiesischen, italienischen, deutschen, japanischen und libanesischen Gruppen. São Paulo ist Heimat der größten japanischen Bevölkerungsgruppe außerhalb Japans.

Ethnische Diversität und Weltoffenheit lässt sich auch in der kulinarischen Vielfalt entdecken: In über 12.500 Restaurants ist für jeden Geschmack etwas geboten. Was bei keinem brasilianischen Essen fehlen darf: „feijão com arroz“, also Bohnen und Reis. Das brasilianische Nationalgericht, die „feijoada“ ist ein

Feijoada

typisch brasilianisch: Feijoada Foto: istockphoto.com/diogoppr

deftiger Eintopf aus schwarzen Bohnen und verschiedenen Fleischteilen, wie Schweineohren, Pfötchen und Bauchspeck, zu dem weißer Reis und „farofa“, geröstetes Maniokmehl, gehört. Berühmt sind die Brasilianer auch für das „Churrasco“, gegrilltes Fleisch, das an Spießen auf offenem Feuer gebraten wird. Traditionell vermischen sich in der brasilianischen Küche afrikanische Einflüsse mit portugiesischen Traditionen, in São Paulo kommen zudem europäische und die kulinarischen Einflüsse der japanischen Einwanderer hinzu. Großartige Pizzen und einzigartiges Sushi ist damit garantiert. Nirgendwo sonst gibt es außerhalb Japans so viele japanische Restaurants wie hier. In São Paulo boomen zudem Straßenmärkte. Einer der bekanntesten ist der „Mercado Municipal“ mit einer unüberschaubaren Auswahl an verschieden Früchten, Gewürzen, regionalen sowie nationalen Köstlichkeiten.

Was Architektur und Design, Kunst und Museen, Shopping und Szene, Gastronomie und Nachtleben betrifft, kommt die Stadt mittlerweile durchaus an New York heran und wird daher oft als New York des Südens bezeichnet. Die Kulturwiege des Landes zählt über 110 Museen und 140 Theater. Außerdem 280 Kinoleinwände, 75 Bibliotheken und 40 Kulturzentren. Das wohl bekannteste Museum, das “Museu de Arte de São Paulo“ (MASP), hat eine eindrucksvolle Kollektion europäischer Kunst vorzuweisen. Sie befindet sich in einem modernen Kubus in der „Avenida Paulista“, eine der wichtigsten Straßen der Stadt. Werktags blühen hier die Geschäfte, am Wochenende entpuppt sie sich als Schauplatz der Kulturen. Wenn sie sonntags für Autofahrer schließt, wird sie zur Flaniermeile für Spaziergänger und Fahrradfahrer und zur Spielwiese für Straßenverkäufer und Künstler sowie Sänger jedweden Genres.

Es braucht eine Weile, bis man diese Stadt zu schätzen lernt. Wagt man jedoch einen zweiten Blick hinter die graue Fassade, die vielen Hochhäuser und das Verkehrschaos erkennt man: São Paulo ist voller Leben. São Paulo ist vielschichtig. São Paulo ist bunt.

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