Brasilien: Wie man die besten Geschäfte machen und nebenbei das Leben genießen kann

Business-Knigge und Tipps für Brasilien /// von 

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Brasilien ist nicht nur ein traumhaftes Reiseland, sondern auch wirtschaftlich wieder im Aufschwung. 2018 war das riesige Land zwischen Copacabana und Amazonas die neuntgrößte Volkswirtschaft der Welt – vor großen Wirtschaftsnationen wie Kanada oder Südkorea. Die Fußball-WM 2014 mit dem deutschen Titelgewinn und die Olympischen Spiele 2016 in Rio haben Brasilien zusätzlich in den Blickpunkt der Welt gebracht. Wir erklären Ihnen, wie Sie in Brasilien erfolgreich Geschäfte machen können. Um Verträge an Land zu ziehen oder bei der nächste Messeteilnahme in Erinnerung zu bleiben, braucht es ein Gespür für die brasilianische Lebensweise. Dazu gehört auch, dass man das Leben genießt.

Die richtige Begrüßung

Mimik und Gestik spielen in der brasilianischen Kommunikation eine extrem wichtige Rolle. Frauen begrüßen sich meist mit einem leichten Wangenkuss, Männer mit einem festen Händedruck. Dieser wird oft begleitet von einem freundschaftlichen Schulterklopfer. Mit einem nicht zu festen Handschlag und direktem Augenkontakt sind Sie jedoch beim ersten Zusammentreffen auf der richtigen Seite. Üblicherweise spricht man sich mit dem Vornamen an. Der Körperabstand ist auch beim ersten Zusammentreffen geringer als in Europa. Als Europäer sollte man im Gesprächsverlauf also nicht zu distanziert auftreten, denn das wird als unhöflich empfunden.

Dresscode und Pünktlichkeit

Brasilien ist das Mutterland des Körperkults. Perfekt aussehen gehört hier zum guten Stil, deshalb sind Brasilianer(Innen) auch ausgesprochen modebewusst. Vor allem in den großen Business-Metropolen wie São Paulo oder Rio de Janeiro tragen die Männer häufig Anzug und Krawatte, die Frauen oft ein schickes Kleid oder Kostüm. Diesem Dresscode sollte man sich in der Geschäftswelt anpassen, um nicht „underdressed“ zu sein. Nicht ganz so genau wird es in Brasilien mit dem Thema Pünktlichkeit genommen. In der durchgetakteten, großen Geschäftswelt wird schon meist darauf geachtet. Aber je mehr man aufs Land oder in den eher privaten Bereich kommt, umso lässiger geht man in Brasilien mit dem Thema Pünktlichkeit um. Hier ist Toleranz gefragt, wenn man erfolgreich sein will!

Smalltalk und Indirekte Kommunikation

Geschäftsgespräche beginnen in Brasilien meist mit einem Gespräch über andere Themen. Wer direkt zum Geschäftlichen kommt, gilt als unhöflich. Als lockerer Gesprächseinstieg eignen sich Themen wie Fußball (aber nicht unbedingt gleich den 7:1-Sieg der Deutschen bei der WM 2014 gegen Brasilien ansprechen!) oder die in Brasilien ungemein populären Telenovela-Seifenopern im TV.

Im Geschäfts-Gespräch selbst sind Brasilianer sehr zögerlich, wenn es darum geht, Kritik zu äußern. Statt Fehler direkt anzusprechen, erwähnen sie eher das Positive und kommunizieren Absagen gerne durch die Blume. Ein „Das könnte eng werden.“ oder „Hört sich gut an. Mal sehen, ob es klappt.“, wird einem „Nein“ vorgezogen. Das ist in den Augen der Brasilianer eine höfliche und gleichzeitig diplomatische Absage, die das Gefühl der Ablehnung mildert. Deshalb sollten auch Gäste in geschäftlichen Verhandlungen nicht zu direkt kommunizieren.

Beziehungspflege ist das A und O

Ganz wichtig also: Um erfolgreich Geschäfte machen zu können, muss man sich ein Stück an die überaus offenen und herzlichen Brasilianer anpassen. Die Lebensfreude, der Enthusiasmus und die Leichtigkeit, mit der Menschen mit Alltagssituationen umgehen, sind eines der größten Merkmale des Landes. Anders als bei uns ist das Leben eher beziehungs- als funktionsorientiert. Man nimmt sich ausgiebig Zeit, sein Gegenüber kennenzulernen. In Verhandlungen sollte man daher vor allem in die Beziehungspflege investieren. Networking und Smalltalk scheint für uns Europäer eine Möglichkeit zu sein, den ersten Fuß in die Tür zu setzen, wenn es um Geschäftsbeziehungen geht. In Brasilien ist es die Tür. Brasilianer bevorzugen es, mit Personen Geschäfte zu machen, die sie bereits kennen und als sympathisch empfinden. Dahinter steckt ein grundlegendes Prinzip: Der Geschäftspartner ist wichtiger als das Geschäft selbst. Eine sympathische Grundhaltung und Offenheit gehören zu den wichtigsten Spielregeln im Umgang mit Brasilianern. Gemeinsame Geschäftsessen in einem der Restaurant mit guter brasilianischer Küche – oft mit Partner oder Partnerin – gehören zum guten Ton. Genauso wie der Cafézinho, ein starker Kaffee, zum Abschluss.

„Jeitinho“: Improvisationsfähigkeit ist gefragt

Umrahmt werden diese typischen Verhaltensweisen von einem brasilianischen Phänomen namens „Jeitinho“. Es bezeichnet die unglaubliche Improvisationsfähigkeit, mit der Brasilianer mit Hindernissen und Vorschriften im Alltag umgehen und in unerwarteten Situationen eine Lösung finden. Das schnelle und gewitzte Reagieren auf unvorhersehbare Lebenslagen hat sich als Überlebenskunst entpuppt. Im Geschäftsleben kann sich diese Art der Herangehensweise als positiv herausstellen, nämlich dann, wenn kreative und spontane Entscheidungen getroffen werden müssen. Nicht-Brasilianer sollten sich daher darauf einstellen, dass Vorschriften flexibler gehandhabt werden. Wenn man selbst kreative Lösungen und Improvisationsvermögen zeigt, ist man auf der Gewinnerseite. Der „Jeitinho“ ist ein wichtiges Element für ein besseres Verständnis der dortigen Kultur, denn er hat viel mit dem brasilianischen Lebensgefühl zu tun. Ein Lebensgefühl, das fasziniert, auch wenn man es nicht immer ganz greifen kann.

Achtung! Alkohol und Sicherheit

Bei aller Lockerheit in Brasilien: Es gibt auch Dinge, bei denen man sich in Brasilien in Acht nehmen sollte. Das Nationalgetränk Caipirinha schmeckt speziell an der Copacabana von Rio ausgesprochen gut – aber man unterschätzt wegen des Fruchtgeschmacks leicht den Alkoholanteil des Zuckerrohrschnapses. Also immer nur in Maßen genießen, denn alkoholisiertes Verhalten gilt auch im brasilianischen Geschäftsleben als Fehltritt.

Eines der wichtigsten Themen in Brasilien ist die Sicherheit. Über ein Fünftel der Brasilianer hat kaum das Nötigste zum Überleben, Überfalle auf Touristen gehören speziell in den großen Städten zur Normalität. Die Kriminalitätsrate in Rio oder São Paulo gehört zu den höchsten der Welt. Nicht betreten sollte man als Tourist oder Geschäftsreisender die Elendsviertel der großen Städte (Favelas). Ratsam ist es, sich bei Geschäftspartnern oder Einheimischen zu erkundigen, welche Gebiete sicher sind. Wertgegenstände sollten am besten im Hotelsafe bleiben. Mit auffälligen Uhren, Schmuck, Geldbörsen oder Handys sollte man nicht auf die Straße gehen. Nach Sonnenuntergang ist es ratsam, sich nur in Begleitung von Einheimischen draußen bewegen. Am sichersten ist es, Taxis oder die überaus populären Fahrzeuge von Uber zu nutzen, die man leicht über eine App buchen kann.

Brasilien touristisch

Wenn man einmal den weiten Business-Trip nach Brasilien gemacht hat, sollte man unbedingt etwas Zeit für die touristische Entdeckung des wunderschönen Landes einplanen. Rio de Janeiro gehört mit seiner einzigartigen Naturkulisse rund um Zuckerhut, Corcovado (Christusstatue) oder Copacabana zweifellos zu den schönsten Städten der Welt. Traumhafte Strände gibt es aber auch in anderen Teilen Brasiliens – ob nun in der Nähe der wunderschönen Stadt Salvador de Bahia, rund um Florianopolis oder auf der Trauminsel Fernando de Noronha. Wer auf ungezügelte Wildnis steht, sollte den Amazonas-Regenwald und das Pantanal-Feuchtgebiet mit seiner großen Vielfalt an Tieren und Pflanzen besuchen. Mit den spektakulären Wasserfällen von Iguazu als zusätzliches Highlight. Brasilien ist in jedem Fall eine (Geschäfts)Reise wert!

Jahrtausendealte Kulturen und Traditionen wirken in China bis heute. Wie man sich im Geschäftsalltag richtig verhält, weiß Asien-Expertin Hannelore Seelmann.

 

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