Am Morgen des 3. Januar 2026 führte ein Brandanschlag in Berlin zu einem flächenhaften Stromausfall, der etwa 45.000 Haushalte und über 2.200 Betriebe betraf. Weniger als ein Jahr zuvor hatte ein Brand in einem Umspannwerk in London zu einem mehrstündigen Stromausfall in zehntausenden Haushalten geführt, auch der größte Flughafen Europas, London-Heathrow stand still. Die angespannte geopolitische Lage macht Gefahren für die kritische Infrastrukturen real. Sie stehen zunehmend im Fokus von Sabotageakten. Aber auch Naturkatastrophen oder banale technische Störungen können fatale Kettenreaktionen auslösen.
Kritische Infrastruktur wie Rechenzentren, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Umspannwerke und große Verkehrsknotenpunkte sind auf effektiven Brandschutz besonders angewiesen. Entsprechend groß ist die Verantwortung, die Staat und Betreiber gemeinsam tragen, während die Zeit drängt. „Die Kooperation zwischen Politik, Behörden und KRITIS-Betreibern hat sich in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert“, bemerkt Axel Haas, Geschäftsführer Deutsches Institut für vorbeugenden Brandschutz (DIvB). Beispielhaft für das Netzwerk zwischen diesen Ebenen ist das Bündnis UP KRITIS als Kooperationsplattform zwischen Bund, Ländern und Wirtschaft. Hier werden Risiken analysiert, Bedrohungsszenarien simuliert und Maßnahmen abgestimmt. Gleichzeitig hakt es noch an vielen Ecken: Derzeit gibt es keine einheitlichen Schnittstellen, zu viele föderale Unterschiede und offene Finanzierungsfragen.
Sicherheitsgesetz 3.0 und goldener Standard
Doch Lösungen sind in Sicht. Mit dem im Bundestag verabschiedeten KRITIS-Dachgesetz („Sicherheitsgesetz 3.0“) wird ein All-Gefahren-Ansatz verfolgt: Detaillierte Regulierungen wie im Baurecht, aber genug Flexibilität, um auch neuen Bedrohungsformen wie hybriden Angriffen oder klimabedingten Risiken zu begegnen.
„Gleichzeitig braucht KRITIS einen erweiterten, quasi ,goldenen Standard‘ des vorbeugenden Brandschutzes“, sagt Axel Haas. Damit meint er eine Zusammenführung von physischer und digitaler Sicherheit. Denn während der seit Jahrzehnten bewährte klassische vorbeugende Brandschutz vor allem das Leben von Menschen und die Vermeidung von Gebäudeschäden im Fokus hat, steht bei KRITIS die Resilienz, also die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit von Anlagen im Mittelpunkt.
Dieser „goldene Standard“ würde entkoppelte Brandabschnitte, unabhängige Löschsysteme, sensorgestützte Frühwarnsysteme mit eigener Notstromversorgung und kontinuierliche Überwachung vorsehen. In regelmäßigen Stresstests und Krisenübungen würden Szenarien vom Stromausfall bis zum Cyberangriff realistisch durchgespielt werden.


