„Messen sind viel digitaler, als man denkt!“

Zusammen mit dem Tech-Incubator ZOLLHOF entwickelt die NürnbergMesse digitale Denkweisen und Dienstleistungen, von denen Aussteller und Besucher profitieren. /// von 

NM fair.mag Magazin Zollhof Messen sind digitaler als man denkt Foto: NürnbergMesse/Thomas Geiger

Voneinander lernen steht im Mittelpunkt der Kooperation zwischen Tech-Incubator ZOLLHOF und NürnbergMesse. Im Interview sprechen Benjamin Bauer, Geschäftsführer ZOLLHOF, und Dr. Martin Kassubek, Abteilungsleiter Strategie- und Unternehmensentwicklung  bei der NürnbergMesse, über die Ziele der neuen Kooperation und die Messe der Zukunft.

Herr Bauer, was ist der Tech-Incubator ZOLLHOF?
Benjamin Bauer: Der Tech-Incubator ist eine Brutstätte für junge Start-ups. Unser Fokus liegt auf Technologie-Unternehmen, die ein Produkt entwickelt haben und es mit uns auf den Markt bringen oder es weiter erfolgreich machen wollen. Aktuell bieten wir 26 Unternehmen den Raum, um zu wachsen und ihre Produkte gemeinsam mit etablierten Unternehmen weiterzuentwickeln. Für digitale Start-ups wollen wir der Hub sein in der Region mit Perspektive auf ganz Deutschland und Europa.

NM fair.mag Zollhof Benjamin Bauer und Martin Kassubek im Gespräch

Foto: NürnbergMesse/Thomas Geiger

Herr Dr. Kassubek, Sie leiten das neue „Digital Office“ der NürnbergMesse. Warum betrifft die digitale Transformation das Kerngeschäft eines Messeveranstalters?
Dr. Martin Kassubek: Wir sind überzeugt, dass Messen auch in den nächsten Jahrzehnten Hauptbestandteil unserer Wertschöpfung sein werden. Aber wir merken auch, dass Marketing-Entscheider der Generation Y nachrücken und sich mit ihnen das Instrument „Messe“ verändert.

„Zusammen mit leistungsfähigen Partnern gehen wir die digitale Transformation an.“

Welche Aufgabe hat dabei die Kooperation mit dem ZOLLHOF?
Kassubek: Wir können nicht einfach den Schalter umlegen nach dem Motto: Ab heute nur noch digital! Zusammen mit leistungsfähigen Partnern, auch aus der Region, gehen wir die digitale Transformation an. Der ZOLLHOF ist enorm relevant, weil die Start-ups viele neue Ansätze entwickeln, die für uns Nutzen bringen. Genauso ist der ZOLLHOF Anlaufstelle für unsere Mitarbeiter, die vor den digitalen Herausforderungen stehen. Im ZOLLHOF trifft sich viel Wissen zum Beispiel bei „Learning Events“, wo wir uns aktiv einbringen. Umgekehrt sollen die Start-ups vom „Spielfeld Messe“ profitieren.
Herr Bauer, wo sehen Sie die digitalen Ansatzpunkte für die Start-ups auf dem „Spielfeld Messe“?
Bauer: Messen sind viel digitaler, als man eigentlich denkt! Die gesamte Wertschöpfungskette einer Messe bietet Ansätze für digitale Produkte oder Prozesse. Grundsätzlich besteht der Fehler, nur das Endprodukt zu digitalisieren. Tatsächlich geht es um den kompletten Wertschöpfungsprozess. Auf der Messe beispielsweise beim riesigen Parkraum-Management, dem Einladungs- und Teilnehmermanagement oder beim Standbau mit neuen digitalen Präsentationsformen wie Virtual- oder Augmented Reality. Ansatzpunkte der Digitalisierung gibt es ab dem Zeitpunkt der Anmeldung zur Messe.

Messen sind digitaler, als man denkt Dr. Martin Kassubek und Benjamin Bauer

Digitale Denkweisen und Dienstleistungen für das Messegeschäft: Martin Kassubek (l., NürnbergMesse) und Benjamin Bauer (ZOLLHOF). Foto: NürnbergMesse/Thomas Geiger

Blicken wir ein paar Jahre voraus: Wie sieht „die Messe der Zukunft“ aus?
Kassubek: Die Messen der Zukunft finden in Nürnberg und an unseren weltweiten Standorten statt. Der analoge HUB bleibt bestehen. Es wird aber eine viel stärkere Berührung geben zwischen online und analog – wie wir sagen: Online und onsite schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich. Denkbar ist die Messe als Business-Plattform in einem bestimmten Turnus als Highlight der Branche. In dieses Event lassen sich neue Technologien integrieren, wie MyLocation – unser Wegleitsystem auf dem Messegelände – ein völlig digitales Einlasssystem oder VR- und AR-Anwendungen für den Messeauftritt. Für uns stellt sich deshalb die Frage: Wie können wir diese Technologien in unsere Dienstleistungen integrieren?

„Die digitale Transformation findet beim Mitarbeiter statt.“

Bauer: Bei der Entwicklung der „Messe der Zukunft“ geht es vor allem auch um Prozesse: Wie digitalisiert sich die NürnbergMesse als Unternehmen? Ein Messe-Unternehmen ist ja viel mehr als das, was der Aussteller und Besucher sieht. Die digitale Transformation findet beim Mitarbeiter statt. Deswegen ist es wichtig, diesen mitzunehmen und neue Möglichkeiten aufzuzeigen: Was bedeuten digitale Prozesse und ein digitales Geschäfts? Genau das kann hier im ZOLLHOF stattfinden.
Der ZOLLHOF als Bildungseinrichtung der Digitalisierung?
Bauer: Genau! Hier finden auch Veranstaltungen statt – Know-how-Events mit Experten der Digitalisierung zu Themen wie neue Methoden der Arbeit oder Technologien wie crypto currrencies, block chain. Der ZOLLHOF ist auch ein Ort, um Technologien kennenzulernen. Neben den Vorträgen gibt es interaktive Formate, an denen Mitarbeiter teilnehmen können. Beim Uni-Hackathon zum Beispiel können Mitarbeiter abseits der gewohnten Arbeitsatmosphäre neues Wissen aufnehmen und beim Entwickeln eigener Produkte umsetzen.

Was sind die nächsten Schritte innerhalb der Kooperation?
Dr. Kassubek: Im ersten Schritt geht es jetzt darum, unseren Mitarbeitern Zugänge zu ermöglichen zu neuem Wissen. Weil die digitale Transformation das ganze Unternehmen betrifft, sollen sich alle Fachbereiche dezentral daran beteiligen. Mit dem ZOLLHOF in Nürnberg haben wir vor Ort ein tolles Programm mit vielen Aktivitäten, bei denen wir im partnerschaftlichen Verhältnis Wissen austauschen und neue Sichtweisen kennenlernen. Das ist unsere erste gemeinsame Zielmarke für 2018! Sukzessive geht es dann an interessante Projekte, die wir im ZOLLHOF für die NürnbergMesse ausgemacht haben.

Fotos: NürnbergMesse/Thomas Geiger

 

Passend zum Thema: Wie die Digitalisierung Messepräsenzen verändert. Ein Interview mit Branchenexpertin Uta Goretzky.

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