- 29.01.2026
Jubiläum beflügelt: 75 Jahre Spielwarenmesse
Zum 75. Mal fand in diesem Jahr in Deutschlands Spielzeugstadt Nürnberg die Spielwarenmesse statt – ein stolzes Jubiläum! Mit vielen Wegbegleitern von Anfang an, mit einer Strahl- und Innovationskraft hinaus in die Welt und mit scheinbar „ewiger Jugend und Leichtigkeit“.
Geschrieben von Reinhold Gebhart

Warme Worte zum 75. Jubiläum, die NürnbergMesse-CEO Peter Ottmann an die Veranstalter der Spielwarenmesserichtete. Mit der Spielwarenmesse 1973 wurde das damals neue Messezentrum eröffnet. Seitdem findet die Weltleitmesse jährlich in Nürnberg statt – nur zweimal musste sie während der Corona-Pandemie ausfallen. „Präsenz ist das Zauberwort. Mich zieht es zu den Menschen, und ich freue mich jedes Jahr auf diese Begegnungen und Gespräche“, betont Ottmann bei seinem Rundgang über die Spielwarenmesse.
Mut und Weitsicht prägten bereits die Anfänge: 1949 fassten vier Unternehmer den Entschluss, in Nürnberg eine deutsche Fachmesse für Spielwaren ins Leben zu rufen – Carl Ehmann (Märklin), Ernst Theodor Horn (Hauptgeschäftsführer der AG Spielwarenindustrie), Arno Drottboom (Direktor der VEDES) und Hans Mangold (GAMA). Schon ein Jahr später präsentierten bei der Premiere im und rund um das Wieseler Haus 351 Unternehmen ihre Neuheiten, während 4.300 Einkäufer die Stände besuchten.

75 Jahre zwischen Innovation und Tradition
An der 75. Ausgabe beteiligten sich 2.313 Aussteller aus 68 Ländern und knapp 60.000 Besucher aus 121 Nationen – die Spielwarenmesse baut damit ihre globale Spitzenposition aus.
Vieles ist neu, so manches heißt auch anders: Das internationale Wort „Toy“ hat sich inzwischen durchgesetzt: Toys for Kidults, Toy Community Meetup, Toy Business Forum, ToyNight und Toy City. Neue Trends werden von der Branche aufgegriffen, neue Formate und Networking-Möglichkeiten etabliert. „Wir möchten die Gelegenheit nutzen, uns bei allen Beteiligten für das großartige Miteinander zu bedanken“, sagt Christian Ulrich, Sprecher des Vorstands der Spielwarenmesse eG.
Gleichzeitig ist die Spielwarenmesse nicht nur Innovationstreiber, sondern sie bewahrt auch Traditionen – denn gewisse Spiele und deren Hersteller kommen nie aus der Mode. Und so waren nicht weniger als 15 Aussteller der ersten Stunde auch bei der Jubiläumsausgabe mit einem Stand vertreten. Unternehmen mit Geschichte, aber auch mit Geschichten. Drei Hersteller-Klassiker – Ravensburger, Märklin und Haba – haben für Sibylle Dorndorf von der Spielwarenmesse eG ihre Archive geöffnet und erzählen von ihrem ersten Messeauftritt.
Seit der ersten Stunde: Ravensburger, Märklin, Haba
Otto Julius Maier, Vater des heutigen Ravensburger-Vorstandsvorsitzenden Clemens Maier, war 1950 auf der ersten Spielwarenmesse als 20-Jähriger dabei: „Unser Stand war klein, vielleicht 15 Quadratmeter groß. Heute misst er fast 1.200 Quadratmeter.“ Auf der Messe 1959 hat Ravensburger dann ein neuartiges Legekartenspiel vorgestellt: das bis heute weltweit bekannte und beliebte „Memory“.

Treibende Kraft für neues Messezentrum
Grund zum Feiern hatte 2024 auch die NürnbergMesse: 50 Jahre seit ihrer offiziellen Gründung 1974. Die wachsende Spielwarenmesse war damals treibende Kraft bei der Entscheidung zur Entwicklung eines neuen Messezentrums in Nürnberg. Und 1973 – quasi am Vorabend der Gründung – dann auch die erste Veranstaltung im neuen Messezentrum Nürnberg-Langwasser. Mit 52.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche hatte man erstmals Platz für eine konsequente Warengruppengliederung.
Zur Eröffnung der 70. Spielwarenmesse 2019 wurde die langjährige Partnerschaft mit der NürnbergMesse verlängert. „Diese Messe ist immer noch leicht, unbeschwert, voller Spirit“, sagt Peter Ottmann. „Sie setzt Zeichen, Maßstäbe und Trends – auch über Branchengrenzen hinweg.“ So leicht es nach außen aussieht, so schwer ist es, das zu bewahren. Denn mit den Jahren sind schon einige Konsumgütermessen in Deutschland und Europa von der Bildfläche verschwunden. Was Peter Ottmann wieder an die Menschen denken lässt: „Es sind die Mitarbeitenden, die Kollegen auf Vorstandsebene, die diese Messe jedes Jahr so quicklebendig, facettenreich und überraschend sein lassen.“ Das sehen auch die Aussteller so: 90 Prozent der Unternehmen planen, bei der nächsten Spielwarenmesse Anfang Februar 2027 erneut auszustellen.

Einer der Impulsgeber für die Internationalisierung der Spielwarenmesse war deren Gründungsmitglied Carl Ehmann, damals Pariser Niederlassungsleiter von Märklin – erfolgreich im Marktsegment Modelleisenbahn. Auf der Premiere 1950 wurden Eisenbahnen in Spurweite H0 (Maßstab 1:87) präsentiert, die zuvor als „00“ bekannt war und ab 1950 als „Halb-Null“ bezeichnet wurde. Übrigens: Das legendäre „Krokodil“ kam damals neu als Modell CCS 800 in „H0“ – es zählt bis heute zu den bekanntesten und beliebtesten Lokomotivmodellen von Märklin.
Eingänglicher als der Familienname von Gründer Eugen Habermaass war die Kurzform Haba, die zum Markennamen für hochwertiges Holzspielzeug avancierte. In den ersten Jahren stellte Haba auf der Spielwarenmesse Holzfahrzeuge, Holzeisenbahnen, Holzschmuck und Webrahmen aus – und natürlich die beliebten Holzbausteine, die sich im Laufe der Zeit immer weiterentwickelten und bis heute im Sortiment geblieben sind. Als Dauerbrenner erwies sich die Holzente mit Band zum Nachziehen. Dieses Spielzeug in herausragendem Design feierte 2024 seinen 70. Geburtstag.
