• 31.03.2026

Mega-Wärmepumpen: Zukunftstechnologie für die Industrie

Industrie-Wärmepumpen waren das große Thema beim vergangenen European Heat Pump Summit. Denn auch im industriellen Bereich sind Wärmepumpen von hohem wirtschaftlichem und ökologischem Nutzen.

Geschrieben von Reinhold Gebhart

Die Aufnahme zeigt eine weitläufige Messehalle mit vielen Personen, die durch den Raum gehen oder an verschiedenen Ständen stehen. Die Personen tragen unterschiedliche Kleidungsstile, darunter Jacken, Pullover, Hemden und Rucksäcke. In der Mitte des Bildes befindet sich eine große, orangefarbene Stele mit der Aufschrift „European Heat Pump Summit“, flankiert von Ausstellungsständen mit Bannern und technischen Präsentationen. Die Hallendecke ist hoch, weiß und mit runden Lichtelementen versehen. Rechts fällt Licht durch eine Fensterfront ein, während im Hintergrund weitere Menschen in Gespräche vertieft oder auf dem Weg durch die Ausstellung zu sehen sind.

Im Jahr 2025 wurden in Deutschland erstmals mehr Wärmepumpen (299.000) als Gasheizungen (276.000) verkauft. Der Markt zieht an, trotz aller Diskussionen über das Gebäudeenergiegesetz in Deutschland, setzt sich die Technologie durch. Heizungshersteller setzen mittlerweile auf die Wärmepumpe als Standardtechnologie für dezentrales Heizen.

Mit industriellen Wärmepumpen entsteht ein neuer, wichtiger Markt. Europäischen Programme wie „Fit for 55“, europäische und nationale Fördermechanismen sowie die schrittweise Verschärfung der CO₂-Bepreisung unterstützen die Entwicklung und die Dekarbonisierung rückt industrielle Prozesse zunehmend in den Fokus.

„Während sich die Energiewende lange auf die Stromerzeugung konzentriert hat, rückt heute die industrielle Prozesswärme in den Fokus – einer der größten, bislang unterschätzten CO2-Hebel der Industrie“, sagt Josef Grassauer, einer der Speaker auf dem Heat Pump Summit. Seine Firma GIG Karasek realisiert derzeit beim weltgrößten Chemieunternehmen BASF am Standort Ludwigshafen eines der ambitioniertesten Projekte zur Dekarbonisierung industrieller Prozesswärme in Europa.

CO2-neutral: Abwärme wird zu Dampf

Die Hochleistungs-Wärmepumpenlösung CompriVAP wandelt bisher ungenutzte industrielle Abwärme mithilfe elektrischer Energie in hochwertigen Prozessdampf um. Bei Einsatz von Strom aus erneuerbaren Quellen lässt sich so eine nahezu CO2-freie Dampferzeugung realisieren. Der Ansatz ermöglicht einen hochgradig zirkulären Energiekreislauf, der den Bedarf an fossilen Brennstoffen deutlich reduziert und in Teilen sogar ersetzt.

Mit einer thermischen Leistung von 50 MW erzeugt die Anlage bis zu 500.000 Tonnen Dampf pro Jahr und kann rund 100.000 Tonnen CO2 jährlich einsparen. Die Inbetriebnahme ist für 2027 vorgesehen.

„Das Projekt ermöglicht eine deutliche Senkung des Primärenergieverbrauchs bei BASF und dient gleichzeitig als international skalierbares Referenzmodell für die industrielle Transformation hin zu klimafreundlicher Prozesswärme.“ 

Die Aufnahme zeigt einen großen Konferenzsaal mit langen Tischreihen, an denen zahlreiche Personen sitzen. Die Personen tragen überwiegend formelle oder business casual Kleidung wie Hemden, Jacken, Pullover oder Blazer. Im Vordergrund und in der Mitte sitzen viele Teilnehmende an weißen Tischen mit Notizmaterial, Getränkeflaschen und technischen Geräten. Auf der Bühne im Hintergrund sind zwei Männer in Anzug zu sehen. Ein Mann steht frontal vor einer großen Leinwand, während der zweite Mann an einem Tisch vor der Leinwand sitzt. Die Projektion zeigt Logos verschiedener Unternehmen, technische Diagramme und Präsentationsfolien in Blau , Weiß  und Orangetönen. Der Raum ist modern beleuchtet, und über der Bühne hängen mehrere schwarze Scheinwerfer und Lautsprecher.
Auf dem European Heat Pump Summit 2025 wurden industrielle Wärmepumpen als zentraler Baustein für die Dekarbonisierung der Prozesswärme vorgestellt.

Breites Einsatzspektrum für die Industrie

Mega-Wärmepumpen gelten als Zukunftstechnologie für zahlreiche industrielle Anwendungen – von Petrochemie, Raffinerien sowie Papier- und Zellstoffindustrie über die Lebensmittel- und Pharmaindustrie bis hin zu Fernwärme- und Power-to-X-Anwendungen.

„Überall dort, wo kontinuierlich große Wärmemengen benötigt werden und bislang ungenutzte Abwärme verfügbar ist, entsteht ein erhebliches wirtschaftliches und klimapolitisches Potenzial“, so Grassauer.

Vertrauen aufbauen, Hemmschwellen senken

Gerade weil sich das Thema Wärmepumpen zunehmend von der Gebäudetechnik in den industriellen Maßstab verlagert, ist der Heat Pump Summit in Nürnberg für Grassauer sehr wertvoll: „Besonders positiv war die hohe fachliche Tiefe der Diskussionen sowie der Austausch zwischen Industrie, Technologieanbietern und politischen Entscheidungsträgern.“

Mega-Wärmepumpen werden nicht mehr als Zukunftsvision, sondern zunehmend als industriell erprobte, wirtschaftlich relevante Lösung wahrgenommen – das wurde auf dem Heat Pump Summit deutlich. Grassauer: „Um Vertrauen in die Technologie aufzubauen und Hemmschwellen bei Investitionsentscheidungen weiter abzubauen, sind Veranstaltungen wie diese wichtig.“ 

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Reinhold Gebhart
Online-Redaktion // Editor for Vincentz Network