Frau Fitsa, Sie gelten als eine der prägenden weiblichen Führungskräfte der Petfood-Branche. Was hat Sie auf Ihrem Karriereweg besonders motiviert?
Meine Laufbahn wurde von Neugier, Resilienz und einem echten Interesse daran geprägt, wie Produkte ihren Weg zu den Konsumentinnen und Konsumenten finden – und welchen Einfluss ich darauf nehmen kann. Die Petfood-Branche ist besonders, weil sie Wissenschaft, Logistik und Emotionen verbindet. Menschen kaufen nicht einfach Tiernahrung, sie kaufen Fürsorge, Vertrauen und Verantwortung.
Ein entscheidender Moment war mein Übergang in eine Führungsrolle mit Verantwortung für mehrere europäische Märkte. Dabei wurde mir bewusst, dass Erfolg nicht allein aus operativer Exzellenz entsteht, sondern vor allem aus der Arbeit mit Menschen: diverse Teams zu führen, Kulturen zusammenzubringen und eine gemeinsame Vision zu entwickeln.
Die Petfood-Branche verbindet komplexe Produktionsprozesse mit hohen emotionalen Erwartungen an Tierwohl und Verantwortung. Wie beeinflusst das Ihren Führungsstil?
Diese Balance ist der Kern meines Führungsverständnisses. Einerseits arbeiten wir in einem stark regulierten, effizienzgetriebenen Umfeld, andererseits wirken sich unsere Entscheidungen direkt auf das Wohl von Tieren und das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher aus.
Entscheidungen sollten daher weder rein rational noch rein emotional sein. Transparenz, Verantwortungsbewusstsein und langfristiges Denken spielen für mich eine zentrale Rolle – etwa bei der Auswahl von Lieferanten oder der Gestaltung von Produktionsstrategien, bei denen Nachhaltigkeit, ethische Aspekte und Produktintegrität ebenso wichtig sind wie Effizienz.
Initiativen wie „Women in Petfood Leadership“ zeigen positive Entwicklungen auf, machen aber gleichzeitig deutlich, dass noch viel zu tun bleibt. Wo sehen Sie Fortschritte für Frauen in Führungspositionen und wo bestehen weiterhin strukturelle Hürden?
Es gibt klare Fortschritte: mehr weibliche Führungskräfte, offenere Diskussionen über Diversität und Unternehmen, die Frauen gezielt fördern. Gleichzeitig bleibt die Repräsentation auf oberster Entscheidungsebene eine Herausforderung.
Frauen sind oft höheren Erwartungen ausgesetzt. Ich bin jedoch überzeugt, dass viele Grenzen in unseren Köpfen entstehen – und überwunden werden können. Gelingt das, profitieren nicht nur Einzelne, sondern die gesamte Branche.
Welche Bedeutung haben Netzwerke und Plattformen wie die Interzoo für weibliche Führungskräfte?
Sie sind essenziell. Netzwerke bieten Austausch, Orientierung und Rückhalt – gerade weil Führungsrollen mitunter isolierend wirken können.
Gleichzeitig sind Plattformen wie die Interzoo aus unternehmerischer Sicht äußerst wertvoll: Sie ermöglichen Wissenstransfer, neue Partnerschaften und internationale Sichtbarkeit. Netzwerke wirken dabei wie Katalysatoren – sie fördern nicht nur individuelle Karrieren, sondern tragen zur Weiterentwicklung der gesamten Branche bei.
Welchen Rat geben Sie jungen Frauen, die eine Führungsrolle in der Petfood-Branche anstreben?
Eine stabile fachliche Basis ist aus meiner Sicht entscheidend – ebenso ein ganzheitliches Verständnis der Branche entlang der gesamten Wertschöpfung. Wichtig ist, nicht darauf zu warten, sich vollkommen „bereit“ zu fühlen, sondern Verantwortung zu übernehmen und neue Schritte zu wagen.
Ebenso wertvoll sind Netzwerke und Mentoring. Der frühzeitige Austausch mit anderen, unterstützende Sparringspartnerinnen und -partner sowie inspirierende Vorbilder helfen dabei, den eigenen Weg zu finden. Dabei sollte jede ihren eigenen Führungsstil entwickeln: Authentizität ist eine Stärke. Rückschläge gehören dazu – entscheidend ist, daraus zu lernen und dranzubleiben.
Was muss sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren ändern, damit wir künftig von echter Diversität in Führung sprechen können?
Es braucht sowohl kulturelle als auch strukturelle Veränderungen. Inklusion sollte als Treiber für Leistung und Innovation verstanden werden – nicht als formale Pflicht.
Transparente Karrierewege, flexible Arbeitsmodelle und generationsübergreifender Austausch sind zentrale Hebel. Gelingt das, wird Führung in der Heimtierfutterbranche vielfältiger, innovativer und stärker an den Menschen orientiert, für die wir arbeiten.