• 17.06.2026

Aus PET-Flaschen wird Architektur: Nachhaltige Akustikelemente im NXT74

Wie lassen sich nachhaltige Materialien konkret in Architektur einsetzen? Im neuen Mitarbeitercenter „NXT74“ der NürnbergMesse wird genau das sichtbar: Mehr als 56.000 PET-Flaschen wurden hier wiederverwertet und sind heute Teil der Deckenstruktur. Die verbauten Akustikelemente verbinden dabei Funktion, Gestaltung und Ressourcenschonung in einem konkreten Anwendungsbeispiel.

Geschrieben von Johanna Köhler

Büro mit Person am Schreibtisch neben großem Fenster, Pflanzen und Deckenwaben mit Akustikelementen.

Wer im „NXT74“ – das neue Gebäude wurde nach dem Gründungsjahr der NürnbergMesse benannt – den Blick nach oben richtet, entdeckt sie: die Deckenwaben, in die sich die Akustikelemente einfügen. Auf den ersten Blick ein gestalterisches Detail – auf den zweiten ein zentrales Element der Raumqualität. Insgesamt wurden rund 2.800 kleine und große Elemente verbaut, auf einer Fläche von etwa 600 Quadratmetern.

Doch hinter dieser Lösung steckt mehr als reine Funktion. In den verbauten Materialien kommen über 56.000 recycelte PET-Flaschen zum Einsatz. Was einst als Einwegverpackung genutzt wurde, ist heute Teil eines modernen Gebäudes und zeigt, wie Kreislaufwirtschaft konkret umgesetzt werden kann.

Das ist Teil eines ganzheitlichen Ansatzes: Die Sanierung des NXT74 wurde gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ausgeführt. Wie schon bei den Hallen 3A und 3C strebt die NürnbergMesse hier eine Zertifizierung durch die DGNB an. Die Akustikelemente sind dabei eines von vielen Bausteinen eines Nachhaltigkeitskonzepts des Gebäudes, das von der Verwendung von nachhaltigen Baustoffen über die Barrierefreiheit bis hin zur Energieversorgung reicht.  

Sitzbereich vor großem Fenster mit Person in Sessel, Bücherregal und Deckenwaben mit Akustikelementen.
Unsere neue Arbeitswelt zeigt, wie nachhaltige Materialien Teil moderner Raumkonzepte werden.

Vom Abfallprodukt zur innovativen Materiallösung

Dass recycelte Materialien heute in der Architektur eingesetzt werden, zeigt, wie sich der Umgang mit Ressourcen verändert. Wertstoffe werden nicht mehr nur entsorgt, sondern gezielt weiterentwickelt und in neue Anwendungen überführt.

„Ein Abfallprodukt wird dann zu einem hochwertigen Baustoff, wenn daraus eine Lösung entsteht, die sowohl funktional als auch gestalterisch überzeugt“, sagt Thomas Späh, Business Unit Manager bei SPÄH designed acoustic – dem Unternehmen, das die Akustikelemente im NXT74 umgesetzt hat. Recyceltes PET zeige genau dieses Potenzial: „Es ist akustisch leistungsfähig und eröffnet gleichzeitig neue gestalterische Freiheit.“  

Seine Eigenschaften machen das Material für den Einsatz im Innenraum besonders geeignet. Es ist leicht, formstabil und weist sehr gute schallabsorbierende Eigenschaften auf. Gleichzeitig lässt es sich präzise verarbeiten und flexibel in unterschiedliche Raumkonzepte integrieren. So entsteht ein Werkstoff, der mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllt – funktional, gestalterisch und nachhaltig.

Nachhaltige Materialien im Einsatz

Konkrete Beispiele wie das NXT74 zeigen, wie solche Materialkonzepte in der Praxis angewendet werden können. „Solche Projekte helfen dabei, nachhaltige Lösungen greifbar und erlebbar zu machen“, so Späh.  

Gleichzeitig wird deutlich, dass sich nachhaltige Materialien zwar zunehmend etablieren, bislang aber noch nicht flächendeckend im Einsatz sind. „Die Bekanntheit von neuen, nachhaltigen Materialien ist in der Branche bislang noch vergleichsweise gering“, erklärt Späh. Gerade deshalb gewinnen Referenzprojekte an Bedeutung.  

Zwei Personen in Werkstattumgebung stehen an Tisch mit nachhaltigem Akustikelement und Werkzeug.
SPÄH designed acoustic zeigt, wie aus recyceltem PET funktionale und gestaltende Akustiklösungen entstehen.

Gestaltung, Funktion und Wirkung im Raum

Nachhaltige Materialien werden häufig vor allem unter ökologischen Gesichtspunkten betrachtet. Doch ihr Potenzial geht weit darüber hinaus. Im Bereich der Raumakustik übernehmen die eingesetzten Elemente mehrere Aufgaben gleichzeitig: Sie verbessern die akustische Qualität eines Raumes, strukturieren Flächen und tragen zur Atmosphäre bei. „Nachhaltigkeit und Design schließen sich nicht aus – vielmehr entstehen dadurch neue Möglichkeiten für die Gestaltung“, sagt Späh.  

Im NXT74 wird dieser Anspruch sichtbar. Die filzartige Oberfläche der Akustikelemente fügt sich in das Zusammenspiel aus Beton, Glas und Holz ein und ergänzt die Gestaltung der Räume. Gleichzeitig leisten sie einen Beitrag zu einer angenehmen Arbeitsumgebung – durch bessere Akustik und eine ruhige, ausgewogene Atmosphäre. So entsteht ein Gesamtbild, in dem Nachhaltigkeit nicht als Zusatz gedacht ist, sondern als selbstverständlicher Bestandteil moderner Architektur. Projekte wie das NXT74 zeigen, wie sich dieser Anspruch Schritt für Schritt in die Praxis übersetzen lässt und wie aus einzelnen Materialentscheidungen Räume entstehen, die Funktion, Gestaltung und Ressourcenschonung verbinden.

Was heute noch nicht überall selbstverständlich ist, wird hier konkret: eine Bauweise, die bestehende Ressourcen weiterdenkt und damit die Grundlage für zukünftige Arbeitsräume schafft. 

Autor

Portrait Johanna Köhler
Johanna Köhler