• 01.07.2026

Ehrenamt, das verbindet: Unterstützung für die Partnerschaft Nürnberg–Charkiw

Im Juli steht bei der NürnbergMesse der Corporate Volunteering Month im Fokus. In diesem Rahmen engagieren sich Mitarbeitende in verschiedenen Projekten für gemeinnützige Zwecke und setzen sich gemeinsam für andere ein. Viele von ihnen engagieren sich darüber hinaus auch privat ehrenamtlich – in unterschiedlichen Bereichen und mit großem persönlichem Einsatz. Die NürnbergMesse unterstützt dieses Engagement und würdigt es unter anderem mit einem zusätzlichen Tag Sonderurlaub pro Jahr. In einer Interviewreihe stellen wir Kolleginnen und Kollegen vor, die sich ehrenamtlich einbringen und sprechen mit ihnen darüber, was sie antreibt und bewegt.

Geschrieben von Johanna Köhler

Gruppe von zwölf Personen vor OP-LKW mit Logos von NürnbergMesse und Partnerorganisationen.

Alexander Lissak arbeitet im Bereich International Sales & Business Management und engagiert sich darüber hinaus seit mehreren Jahren im Partnerschaftsverein Nürnberg–Charkiw. Als stellvertretender Vorsitzender koordiniert er Hilfsaktionen – von der Abstimmung mit Partnern vor Ort bis zur komplexen Organisation von Transporen und Hilfsaktionen.

Im Interview spricht er über seine Motivation, prägende Momente und darüber, was dieses Engagement für ihn persönlich bedeutet.

Wie bist du zu deinem Engagement im Partnerschaftsverein Nürnberg–Charkiw gekommen und was bedeutet dir die Partnerschaft persönlich?

Die Verbindung zu Charkiw war für mich nie nur ein abstraktes Projekt oder eine symbolische Städtepartnerschaft. Spätestens seit Beginn des Krieges wurde klar, dass Partnerschaft Verantwortung bedeutet. Ich bin zum Partnerschaftsverein gekommen, weil ich gesehen habe, dass Hilfe nicht nur aus Worten bestehen darf. Wenn Menschen im Winter ohne Strom, ohne Wärme oder unter täglichem Beschuss leben, reicht Mitgefühl allein nicht aus.

Die Partnerschaft bedeutet für mich echte Solidarität – nicht Politik auf dem Papier, sondern Menschen, die füreinander einstehen. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, ob diese Verbindung wirklich gelebt wird.

Gab es während der Aktion einen Moment, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Besonders bewegend sind für mich immer die direkten Rückmeldungen aus Charkiw – Bilder oder Nachrichten von Menschen, die die Hilfe erhalten haben. Ein prägender Moment war die Eröffnung wiederhergestellter Schulen vor Ort. Kinder hatten lange keine Möglichkeit, gemeinsam zu lernen und zu spielen und konnten das plötzlich wieder tun. Das zu sehen, war sehr eindrucksvoll.

Gleichzeitig hat mich beeindruckt, wie viele Menschen hier in Nürnberg bereit waren zu helfen. Diese Solidarität ist alles andere als selbstverständlich.

Wie erlebst du Charkiw und die Menschen dort aus der Distanz?

Mich beeindruckt vor allem die Stärke und Würde der Menschen. Trotz permanenter Angriffe versuchen sie, ihren Alltag aufrechtzuerhalten. Besonders bewegt mich ihre Haltung: Sie fragen nicht zuerst, was sie verloren haben, sondern wie sie weitermachen können. Das verdient großen Respekt. Gleichzeitig wird deutlich, dass der Krieg für die Menschen dort kein Nachrichtenthema, sondern tägliche Realität ist – und langfristige Unterstützung entscheidend bleibt. 

Kinder und Erwachsene stehen in Klassenraum vor Fenstern.
Die Wiedereröffnung der renovierten Schule 173 in Charkiw schafft Räume für Bildung, Begegnung und Perspektiven.

Zum Schluss: Was hat dein Engagement mit dir gemacht – ganz persönlich?

Es hat mich auf vielen Ebenen geprägt. Jede Aufgabe und jedes Projekt haben mich weitergebracht – nicht nur fachlich, sondern vor allem menschlich. Ich habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen und auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Besonders wertvoll sind für mich die Begegnungen mit Menschen, die ich durch das Ehrenamt kennenlernen durfte. Sie haben meinen Blick auf viele Themen verändert und erweitert. Gleichzeitig gibt mir das Engagement das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und einen Beitrag für andere zu leisten.

Im Laufe der Jahre durfte ich sehr unterschiedliche Projekte begleiten – vom Bau eines Kindergartens in Nürnberg bis zur Unterstützung beim Wiederaufbau von Schulen und Kinderkrankenhäusern in Charkiw. Gemeinsam mit vielen Engagierten konnten zudem zahlreiche geflüchtete Menschen unterstützt werden. Mit der Zeit ist auch die Verantwortung gewachsen und genau diese ernst zu nehmen und anderen helfen zu können, erfüllt mich sehr. Und nicht zuletzt möchte ich meinen Kindern vorleben, dass man nicht nur fragen sollte, was die Gesellschaft für einen tun kann – sondern auch, was man selbst für andere beitragen kann. 

Gruppe von 13 Personen vor Rettungsfahrzeug vom Rotem Kreuz.
Mit der Übergabe eines voll ausgestatteten Krankenwagens an das Rote Kreuz in Charkiw wird Hilfe dort ermöglicht, wo sie dringend benötigt wird.

Autor

Portrait Johanna Köhler
Johanna Köhler