• 09.09.2026

GaLaBau: Fachkräfte als Problemlöser

Der heiße und trockene Sommer 2026 war erneut ein deutlicher Weckruf. Vor allem Städte gilt es mit nachhaltigem Wassermanagement und Begrünung klimaresilient zu machen. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei die Branche Garten- und Landschaftsbau ein. Ihre Fachkräfte haben das Know-how, ihr Beruf hat Zukunft. Auf EU-Ebene wird noch in diesem Herbst eine Berufsbildungs-Initiative gestartet. Und Europas Experten kommen im September zur Messe GaLaBau nach Nürnberg, dem Zentrum des Austauschs und der Ideen, diesmal im Rahmenprogramm mit starkem Fokus auf das Thema Fachkräfte.

Geschrieben von Reinhold Gebhart

Der Landschaftsgärtner Cup macht sichtbar, wie wichtig qualifizierte Nachwuchskräfte für die Branche sind.

Die Landschaftsgärtner-Branche in Deutschland wächst. 2025 mit einem nominalen Umsatzanstieg von 4,3 Prozent auf 11,11 Milliarden Euro. Dazu mehr Unternehmen (19.900), mehr Beschäftigte (131.700) und auch mehr Auszubildende (8.100). Doch das ist angesichts der riesigen Herausforderungen nicht genug. Nicht nur in Deutschland, sondern europaweit berichten Betriebe von Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Besonders bei Bauleitern und Projektverantwortlichen ist der Engpass eklatant.

Und Europa reagiert. Mit der im Vorjahr gestarteten „Union of Skills“ will die EU Bildungssysteme modernisieren und den Fachkräftemangel bekämpfen. „Sie ist für uns ein wichtiger Rahmen für die Qualifizierung, Weiterbildung und Umschulung unserer Fachkräfte im Umweltbereich“, sagt Egbert Roozen, Generalsekretär des Europäischen Verbandes der Landschaftsbauunternehmen (ELCA). Als Mitglied einer Expertengruppe berät ELCA die Europäische Kommission bei der Umsetzung der EU-Verordnung zur Renaturierung. Und sie treibt die berufliche Bildung grüner Fachkräfte auf europäischer Ebene voran.

Europäisches Netzwerk von Kompetenzzentren

Etwa mit dem neu ins Leben gerufenen europäischen Netzwerk von Kompetenzzentren für den Garten- und Landschaftsbau (CoVE). Nationale Verbände, Betriebe, Schulen und andere Akteure sitzen in diesem Pool. CoVE ist damit ein starker Hebel für die Fachkräftegewinnung, weil ihr 23 EU-Staaten und weitere assoziierten Mitglieder in Kanada, Japan, Norwegen, Singapur, der Schweiz, der Türkei und dem Vereinigten Königreich angehören – sie liefern wertvollen Input.  

„Wir können darin unsere Arbeitsmarkt-Bedürfnisse aufeinander abstimmen, in Bezug auf Berufsbildungsprogramme voneinander lernen, innovative Lehrpläne entwickeln und so ein europäisches Austauschnetzwerk für Auszubildende und Beschäftigte bereitstellen“, so Egbert Roozen. Mit dem CoVE-Netzwerk hat ELCA seine Hausaufgaben gemacht und wartet nun gespannt auf die Vorstellung der modernisierten EU-Strategie zur beruflichen Aus- und Weiterbildung (VET), die diesen Herbst kommen soll.

Europas Experten setzen Impulse in Nürnberg  

Schon im September setzt dieGaLaBau als europäischen Leitmesse für die grüne Branche in Nürnberg wichtige Impulse. „Klimaanpassung wird diesmal das prägende Thema sein“, sagt Dirk Böcker, Geschäftsführer des BGL, dem ideellen Träger der Messe. Für ihn schlüpfen angesichts der dramatischen Veränderungen die Branchen-Fachkräfte immer mehr in die Rolle von nachhaltigen Problemlösern. Praxisnah erlebbar gemacht wird das vor Ort von Europas Experten im Garten- und Landschaftsbau.

Etwa durch Konzepte und Lösungen zum Umgang mit Wasser, zur Begrünung von Städten oder ressourcenschonenden Bauweisen, die ausgewählte Aussteller entlang des Grün Blauen Pfades präsentieren. Live miterleben können sie auch den Landschaftsgärtner Cup. Hier zeigt der berufliche Nachwuchs, was er draufhat. Die Top-Talente aus allen Landesverbänden kämpfen um den Deutschen Meistertitel. Der Cup ist Jahr für Jahr Publikumsmagnet im Rahmenprogramm und macht zugleich die Bedeutung qualifizierter Fachkräfte sichtbar. 

Teilnehmende verlegen Pflastersteine beim Landschaftsgärtner-Cup vor Publikum.
Der Landschaftsgärtner-Cup zeigt, wie wichtig qualifizierte Nachwuchskräfte für die Zukunft der Branche sind.

Deutsche Kampagne zur Fachkräftegewinnung

Dass für das erste Halbjahr 2026 in Deutschland die Ausbildungszahlen im Handwerk in die Höhe gingen (fast 67.800 neue Verträge, ein Anstieg von 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum), macht auch dem Garten- und Landschaftsbau Hoffnung. „Der Fachkräftemangel ist eine der zentralen Herausforderungen im Garten- und Landschaftsbau“, sagt Dr. Michael Henze, Experte für landschaftsgärtnerische Fachgebiete und Bauwerksbegrünung. „Umso wichtiger ist es, junge Menschen für unsere vielseitige Branche zu begeistern und qualifizierte Fachkräfte langfristig für den GaLaBau zu gewinnen.“

Und das versucht der Verband mit einem Bündel an Maßnahmen. So wirbt er schon seit 2020 auf allen Social-Media-Kanälen intensiv um Quereinsteiger, bietet Betrieben Employer Branding an, unterstützt sie mit Willkommenslotsen und setzt auf Fort- und Weiterbildung in speziellen GaLaBau Camps.

Wie kann man jungen Menschen das breite Berufsbild (vom Landschaftsgärtner über den Bauleiter bis zum Projektverantwortlichen) schmackhaft machen? Mit spannenden Erfolgsgeschichten! Über das Engagement zur Mitarbeiterbindung zweier junger Inhaber etwa, die selbst als Auszubildende im Betrieb begonnen haben. Oder über das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP), das einem jungen Landschaftsgärtner einen einjährigen Auslandsaufenthalt in den USA ermöglichte. Aber auch über ein innovatives Beteiligungsmodell eines deutschen Mittelständlers, bei dem Mitarbeitende zu Mitunternehmern werden können.

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Portrait von Reinhold Gebhart
Reinhold Gebhart
Online-Redaktion // Editor for Vincentz Network