• 29.10.2026

it-sa in Nürnberg: Drehscheibe für europäische Cybersicherheit

Datenklau, Cyberangriffe, KI-Pannen: Fast wöchentlich erreichen solche Hiobsbotschaften Deutschland, Europa und die Welt. Das Thema Cybersicherheit hat dadurch ein neues Level erreicht. Das gilt auch für die it-sa (27. bis 29. Oktober in Nürnberg). Europas größte Fachmesse für IT-Sicherheit hat sich inzwischen zur Drehscheibe für europäische Cybersicherheit entwickelt.

Geschrieben von Reinhold Gebhart

Besucherinnen und Besucher strömen durch den Eingangsbereich der it-sa Expo&Congress in Nürnberg. Über den Türen steht „Where Cyber Security Connects“.

In Berlin landen nach einem Hackerangriff auf die Senatsverwaltung 1,4 Millionen sensible Daten im Darknet. Beim US Entwickler Anthropic brechen während eines Tests KI-Modelle aus und dringen unbemerkt in fremde Computersysteme und Datenbanken ein.

In seinem Bundeslagebild Cybercrime für 2025 zählt das deutsche Innenministerium (BMI) 334.000 registrierte Cybercrimefälle – das sind mehr als 900, jeden Tag! Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen und die Bedrohung für Unternehmen, Behörden und kritische Infrastrukturen nimmt stetig zu. Wie auch der Schaden für die Wirtschaft. Laut BMI liegt er inzwischen bei mehr als 200 Milliarden Euro und damit bei etwa 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Und: Deutschland liegt auf Platz drei der Angriffsziele weltweit.

Who’s who internationaler IT-Sicherheitsexperten

Doch auch die Abwehrseite ist gut aufgestellt. „Gemeinsam stark gegen Cyberangriffe!“ lautet das Motto bei der bevorstehenden it-sa Expo&Congress in Nürnberg. Die Fachmesse deckt die gesamte Bandbreite an Produkten, Dienstleistungen und Ideen im Bereich Cybersecurity ab. Und sie bringt das Who’s who internationaler IT-Sicherheitsexperten und Entscheider an einem Ort zusammen.

Wie etwa Prof. Dr. Marco Gercke, Direktor des Cybercrime Research Institute mit Sitz in Köln. In seiner Special Keynote widmet er sich einer Fragestellung, die Unternehmen und öffentliche Einrichtungen gleichermaßen beschäftigt: In der interaktiven „Cyber Incident Simulation“ zeigt er anhand eines realitätsnahen Szenarios die Dynamik eines Cyberangriffs sowie die komplexen Entscheidungsprozesse, die im Krisenfall unter Zeitdruck zu bewältigen sind.

Denn die Zahlen sprechen für sich:  54 Prozent der Cyberangriffe in Europa richten sich gegen die öffentliche Verwaltung, Transport und Verkehr, digitale Infrastruktur und Dienstleistungen, das Finanzwesen sowie die verarbeitende Industrie; mehr als 80 Prozent der globalen Phishing-Kampagnen nutzen KI-generierte oder KI-gestützte Inhalte; 119 neue Schwachstellen werden täglich bekannt (um 24 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr). Aber: 64 Prozent der Unternehmen setzen bei Cyber-Resilienz lediglich auf das geforderte Minimum, nur jedes fünfte ist sehr gut aufgestellt. 

Messestand des Digitalverbands Bitkom auf der it-sa in Nürnberg. Fachbesucher tauschen sich an verschiedenen Informationsständen aus.
Die it-sa bringt internationale IT-Sicherheitsexperten und Entscheider zusammen, um den Austausch über aktuelle Herausforderungen zu fördern.

Gemeinsam höhere Cyberresilienz erzielen

Dass sich die Bedrohungslage weiter verschärft, bedeutet jedoch nicht, dass Unternehmen den Entwicklungen schutzlos gegenüberstehen. Entscheidend wird sein, technologische Innovationen konsequent zu nutzen und den Austausch sicherheitsrelevanter Informationen zu intensivieren.

Darauf verweist auch Prof. Dr. Norbert Pohlmann, Vorstandsmitglied des Bundesverbands IT-Sicherheit e.V. (TeleTrusT): „Die Innovationen im Bereich der KI werden einen großen Einfluss auf die Angriffsmethoden und Verteidigungsmöglichkeiten haben. Mittels KI lassen sich Schwachstellen besser detektieren. Die Herausforderung ist, diese zeitnah zu schließen, um die Angriffsfläche und damit das Risiko eines Angriffes zu reduzieren. Eine weitere Einsicht ist, dass die Zusammenarbeit im Bereich der IT-Sicherheit eine große Hebelwirkung hat und daher vorangetrieben werden sollte. Eine effektive Zusammenarbeit im Bereich der IT-Sicherheit wird in den kommenden Jahren äußerst relevant, um gemeinsam eine höhere Cyberresilienz zu erzielen.“

Genau hier setzt auch die it-sa an. Von KI-gestützter Angriffserkennung über automatisierte Sicherheitsprozesse bis hin zum organisationsübergreifenden Austausch von Bedrohungsinformationen entstehen derzeit neue Ansätze, um digitale Infrastrukturen wirksamer zu schützen und Cyberrisiken zu reduzieren. Das betrifft die gesamte Bandbreite der IT-Sicherheit: KI-Sicherheit, KRITIS, Identitäten und Berechtigungen (IAM), Authentifizierung (Zero trust), Schutz von Endgeräten (Endpoint Security) und Betriebstechnologien (OT Security) sowie den EU-Vorgaben NIS2 und DORA.

Am Puls der Zeit: Digitale Souveränität in Europa als Ziel

Entscheidend ist aber der Europa-Aspekt. Hier kann die it-sa sowohl in der Spitze punkten – mit dem europaweit größten Ausstellerspektrum – als auch in der Breite: beim transnationalen Wissenstransfer in Foren (2025: über 400 Vorträge) sowie beim Netzwerken zwischen Fachbesuchern (2025: mehr als 28.000) und den Experten an den Ständen (2025: fast 1.000). Ein Coup ist der it-sa mit ihrem neuen Partner gelungen: Die European Cyber Security Organisation (ECSO) ist einer der zentralen Akteure des europäischen Cybersecurity-Ökosystems.

Thimo Holst, Head of Brand Strategy der it-sa, drückt es so aus: „Wir vereinen und bieten die führende Plattform über alle Flughöhen der Cybersicherheit an – vom IT-Experten bis zum Sicherheitsstrategen. Die it-sa entwickelt sich zur Drehschreibe für europäische Cybersicherheit und bedient damit einen sehr prominenten Puls der Zeit: Digitale Souveränität in Europa.“ 

Zahlreiche Fachbesucherinnen und Fachbesucher in einer gut besuchten Messehalle der it-sa in Nürnberg, umgeben von Messeständen verschiedener IT-Sicherheitsunternehmen.
Von KI-gestützter Angriffserkennung bis zu neuen Sicherheitsstrategien – die it-sa zeigt, wie sich Cyberresilienz stärken lässt.

NürnbergMesse als „Home of Security“

Die it-sa ist ein wichtiges Puzzleteil innerhalb der europäischen Sicherheitsstruktur. Und sie ist Teil des Sicherheitsclusters der NürnbergMesse, zu dem auch die Enforce Tac und die Perimeter Protection gehören. Drei Veranstaltungen, die unterschiedliche Aspekte von Sicherheit zusammenbringen und dabei eine gemeinsame Perspektive verfolgen: Sicherheit ganzheitlich denken.

Für Peter Ottmann, CEO der NürnbergMesse Group, ist das ein gutes Beispiel dafür, wie Chancen entstehen: „Nicht durch einzelne Akteure, sondern durch Menschen, die bereit sind, voneinander zu lernen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.“ Zurecht darf sich NürnbergMesse in diesem Sinne „Home of Security“ nennen.

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Reinhold Gebhart
Online-Redaktion // Editor for Vincentz Network