• 11.02.2026

Eine partnerschaftliche Brücke zwischen Nürnberg und Charkiw

Die NürnbergMesse beteiligt sich an einer Spende für die Partnerstadt Charkiw in der Ukraine.

Geschrieben von Stefan Jablonka

Bürgermeister Marcus König, Geschäftsführer Peter Ottmann und weitere Unterstützer versammeln sich und zeigen eine Flagge der Ukraine.

Freitagmittag vor dem Opernhaus Nürnberg. Auf dem Richard-Wagner-Platz steht ein Transporter bereit, beladen mit Generatoren, Powerstations, Solarpaneelen, Spielzeug und weiteren Hilfsgütern. Menschen kommen zusammen, sprechen miteinander, packen an. Wenige Minuten später wird der Lkw Richtung Osten starten – Ziel: Nürnbergs Partnerstadt Charkiw.

Was hier beginnt, ist mehr als ein logistischer Vorgang. Es ist ein sichtbares Zeichen dafür, wie Städtepartnerschaft in schwierigen Zeiten gelebt werden kann: praktisch, gemeinschaftlich und getragen von Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Hilfe, die ankommt

Organisiert wird der Transport im Umfeld des Partnerschaftsvereins Nürnberg–Charkiw, unterstützt von der Stadt Nürnberg und dem Amt für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg. Die Hilfsgüter sind für Menschen bestimmt, die in Charkiw geblieben sind – in einer Stadt, die nur rund 30 Kilometer von der Front entfernt liegt und dennoch versucht, ihren Alltag aufrechtzuerhalten.

Insgesamt wurden für diesen Transport – durch Geldspenden und gezielte Investitionen in Hilfsgüter – rund 25.000 Euro mobilisiert. Möglich wurde dies durch die Unterstützung zahlreicher Spenderinnen und Spender aus Nürnberg und der Region. „Wir helfen Menschen, die in Charkiv geblieben sind, die oftmals nichts mehr haben. In einer Partnerschaft hält man zusammen. In guten wie in schlechten“, betont Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König. Gerade nach Jahren des Krieges sei es wichtig, die Partnerschaft nicht nur symbolisch zu leben, sondern Menschen im Kriegsgebiet konkret zu unterstützen.

Unterstützter zeigen die Flagge der Ukraine und Spenden für Charkiw
Oberbürgermeister Marcus König (r.) vor dem Van, der die Sachspenden nach Charkiv bringt. 

Der Mensch hinter dem Steuer

Einer, der diese Hilfe buchstäblich auf den Weg bringt, ist Alexander Schumski. Er ist der Fahrer des Transporters – und weit mehr als das. Schumski engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich, ist Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Vereins Interbridge Nürnberg e. V. und er kennt Charkiw aus eigener Erfahrung. Vor ihm liegt eine lange Fahrt: Mit Pausen wird Schumski rund 20 Stunden unterwegs sein. Hinzu kommt eine weitere Unbekannte – an den Grenzen kann es zu langen Wartezeiten kommen. Schumski war schon oft im ukrainischen Kriegsgebiet. Und was er dort erlebt hat, fasst er so zusammen: „Die Kinder gehen in die Schulen, die Leute gehen arbeiten, die U-Bahn fährt. Und manchmal kommen die Raketen oder Drohnen. Das ist leider traurige Normalität geworden.”

Engagement aus dem Unternehmen heraus

Auch die NürnbergMesse beteiligt sich an der Hilfsaktion – finanziell und durch das Engagement ihrer Mitarbeitenden. Für Peter Ottmann, CEO der NürnbergMesse, ist das keine Frage des Marketings, sondern der Verantwortung. „Wir engagieren uns, weil Nürnberg Partnerstadt von Charkiw ist – und weil einer unserer Kollegen, Alexander Lissak, stellvertretender Vorsitzender des Partnerschaftsvereins ist“, sagt Ottmann.

Konkret sammelten Mitarbeitende der NürnbergMesse im Rahmen einer internen Aktion Geld, indem nicht mehr benötigte Werbemittel über eine Tombola vergeben wurden. Rund 1000 Euro kamen so zusammen. Das Unternehmen stockte den Betrag auf 5000 Euro auf. „Wer ein gutes Messejahr hat, der kann auch etwas teilen“, findet Ottmann.

Wie nah der Krieg für die Menschen in Charkiw tatsächlich ist, verdeutlicht Ottmann mit einem Vergleich: Die Entfernung von Charkiw zur Frontlinie entspricht ungefähr der Strecke von Nürnberg bis Neumarkt in der Oberpfalz. „Und trotzdem versuchen die Menschen dort, ein normales Leben aufrechtzuerhalten – das verdient unseren höchsten Respekt.“

Ein Van voller Spenden für die Partnerstadt Charkiw
Organisiert wurde der Transport durch eine Zusammenarbeit des Partnerschaftsvereins Nürnberg–Charkiw, der Stadt Nürnberg und dem Amt für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg. 

Gelebte Partnerschaft 

Ein besonderer Dank gilt dem Fahrer, der auf seiner Fahrt schon oft Schüsse und Bombeneinschläge gehört hat: „Das, was er macht, ist mit Risiken verbunden – aber die Güter kommen an”, sagte Oberbürgermeister König und ergänzt: „Ich weiß, diese Zeit ist unglaublich schwierig, aber wir halten zusammen. Wir hier in Nürnberg beten für unsere Freunde in Charkiv. Und ich wünsche, dass die Kinder und alle, die jetzt noch in Ukraine sind, bald auch einen Frieden erleben.“

Am Ende rollt der Transporter vom Platz. Zurück bleiben viele Händedrücke – und das Gefühl, Teil von etwas Wichtigem zu sein. Partnerschaft endet nicht an der Stadtgrenze. Sie beginnt dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen und mit Nächstenliebe füllen.

Autor

Portrait von Stefan Jablonka
Stefan Jablonka
Freelance journalist