• 29.07.2026

Ehrenamt, das prägt: Von 8 auf über 120 junge Vereinsmitglieder

Im Juli steht bei der NürnbergMesse der Corporate Volunteering Month im Fokus. In diesem Rahmen engagieren sich Mitarbeitende in verschiedenen Projekten für gemeinnützige Zwecke und setzen sich gemeinsam für andere ein. Viele von ihnen engagieren sich darüber hinaus auch privat ehrenamtlich – in unterschiedlichen Bereichen und mit großem persönlichem Einsatz. Die NürnbergMesse unterstützt dieses Engagement und würdigt es unter anderem mit einem zusätzlichen Tag Sonderurlaub pro Jahr. In einer Interviewreihe stellen wir Kolleginnen und Kollegen vor, die sich ehrenamtlich einbringen – und sprechen mit ihnen darüber, was sie antreibt und bewegt.

Geschrieben von Johanna Köhler

Trainer und Kinder laufen mit Fußball auf Sportplatz beim Fußballtraining.

Michael Melcher ist Vice President Innovation & Touchpoints und Mitglied des Management Boards der NürnbergMesse. Privat engagiert er sich als Jugendleiter beim 1. FC Willy Wacker Hechtsheim. Gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen hat er dort seit 2022 die Jugendabteilung wieder aufgebaut. Was nach der Corona-Pandemie mit acht Kindern begann, ist heute zu einer Gemeinschaft von mehr als 120 jungen Fußballerinnen und Fußballern gewachsen.

Im Interview erzählt er, wie es zu diesem Engagement kam, was ihn am Aufbau der Jugendabteilung besonders motiviert und welche Erfahrungen er persönlich daraus mitnimmt.

Wie kam es dazu, dass du die Jugendabteilung in deinem Verein mit aufgebaut hast?

Im Zuge des Auslaufens der Corona-Pandemie habe ich 2022 für meinen damals vierjährigen Sohn einen Fußballverein gesucht. Bei meinem heutigen Verein sagte mir der Präsident damals einen Satz, der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist: „Wir haben Plätze, wir haben Equipment, wir haben Geld – aber keine Jugend mehr. Bau sie doch auf.“

Diese Idee ließ mich nicht mehr los. Nach einigen Gesprächen haben wir schließlich einen Deal gemacht und gemeinsam begonnen, die Jugendarbeit wieder aufzubauen. Was damals mit wenigen Kindern und einer Idee gestartet ist, hat sich Schritt für Schritt zu einer lebendigen Jugendabteilung entwickelt.

Von 8 auf über 120 Kinder – was bedeutet dir diese Entwicklung persönlich?

Ich bin in der Provinz quasi mit dem Fußball groß geworden. Bis Anfang 20 habe ich selbst ambitioniert gespielt und war seit meiner Kindheit eng mit dem Sport verbunden. Rückblickend haben mich die Erfahrungen aus dem Mannschaftssport weit über den Fußball hinaus geprägt. Teamgeist entwickeln, gewinnen und verlieren können, unterschiedliche Stärken erkennen, Kompromisse schließen und unter Druck Entscheidungen treffen – all das sind Fähigkeiten, die mich bis heute begleiten.

Schon damals habe ich mir vorgenommen, irgendwann etwas von dem zurückzugeben, was mir meine Trainer mit auf den Weg gegeben haben. Deshalb bedeutet es mir viel, heute Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Stärken zu entdecken und sich weiterzuentwickeln. Die Entwicklung von acht auf inzwischen über 120 Kinder erfüllt mich deshalb mit großem Stolz. Manchmal fühlt es sich tatsächlich ein wenig so an, als würde man ein Start-up aufbauen – nur eben mit Fußballschuhen statt Businessplänen. 

Kindergruppe hört auf Fußballplatz Anweisungen von Trainern beim Training.
Was mit acht Kindern begann, ist heute zu einer Gemeinschaft von über 120 jungen Vereinsmitgliedern gewachsen.

Was ist dir in deiner Rolle als Jugendleiter besonders wichtig?

Gemeinsam mit mittlerweile rund 20 Trainerinnen und Trainern haben wir eine Spiel- und Vereinsphilosophie entwickelt, die sich sportlich an den Leitlinien des DFB orientiert und gleichzeitig klare Werte vermittelt.

Uns ist wichtig, dass jedes Kind die Möglichkeit bekommt, Fußball zu spielen – unabhängig vom individuellen Leistungsstand. Spaß am Sport steht für uns im Vordergrund. Gleichzeitig fördern wir Einsatzbereitschaft und Entwicklung, ohne Kinder auszusortieren. Darüber hinaus legen wir großen Wert auf Respekt, Toleranz und Fairness – gegenüber Mitspielerinnen und Mitspielern, Gegnern, Eltern und Ehrenamtlichen. Diskriminierung und Gewalt haben bei uns keinen Platz.

Am Ende geht es uns nicht nur darum, bessere Fußballerinnen und Fußballer auszubilden. Wir möchten jungen Menschen Werte vermitteln, die sie weit über den Sport hinaus begleiten.

Zum Schluss: Was hat dein Engagement mit dir gemacht – ganz persönlich?

Mein Engagement hat mir vor allem gezeigt, wie wichtig es ist, auf die eigene Balance zu achten. Die Arbeit macht unglaublich viel Spaß, aber wie im Berufsleben kann man auch im Ehrenamt schnell an den Punkt kommen, an dem man zu viele Aufgaben gleichzeitig übernimmt.

Gerade in den vergangenen Jahren sind wir stark gewachsen. Mit dieser Entwicklung kommen auch mehr Gespräche, Fragen und Herausforderungen hinzu. Deshalb ist es wichtig, immer wieder den Blick für das Wesentliche zu behalten. Gleichzeitig erfüllt mich die Entwicklung der Kinder mit großem Stolz. Wenn ich sehe, dass Kinder, die vor vier Jahren mit dem Fußball begonnen haben, heute kurz vor dem Wechsel auf die weiterführende Schule stehen, wird sichtbar, welchen Einfluss Vereinsleben und Ehrenamt haben können.

Zu wissen, dass sie nicht nur sportlich, sondern auch persönlich etwas mitnehmen und von ihren Trainerinnen und Trainern geprägt werden, ist für mich einer der schönsten Aspekte dieses Engagements. Genau das motiviert mich, weiterzumachen.

Kinder in blauen Trikots stehen mit Trainern vor Fußballtor auf Sportplatz.
Im Mittelpunkt des Vereins steht nicht nur die sportliche Entwicklung, sondern auch Teamgeist, Respekt und Fairness.

Autor

Portrait Johanna Köhler
Johanna Köhler