• 16.09.2026

women@GaLaBau: Als Tochter den eigenen Weg finden

Frauen vernetzen sich und Fachmessen bieten die Bühne dafür. Netzwerkformate für Frauen schaffen Raum für Austausch, Sichtbarkeit und neue Perspektiven. Sie bringen Expertinnen, Führungskräfte und Nachwuchstalente zusammen, fördern den Dialog und stärken die Präsenz von Frauen in ihren Branchen. In einer Interviewreihe stellen wir diese Formate der NürnbergMesse vor und sprechen mit Frauen, die sie mitgestalten.

Geschrieben von Johanna Köhler

Große Gruppe von Teilnehmenden beim women@GaLaBau Netzwerktreffen im Foyer.

Mit women@GaLaBau feierte in diesem Jahr erstmals ein eigenes Netzwerkformat für Frauen in der grünen Branche Premiere. Das Gemeinschaftsprojekt von TASPO und NürnbergMesse machte Frauen im Garten- und Landschaftsbau sichtbar, förderte den fachlichen Austausch und schuf Raum für neue Perspektiven. Beim Auftakttreffen standen Themen wie Karrierewege, Führungsverantwortung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Zukunft der Branche im Mittelpunkt.

Zu den Speakerinnen des Netzwerktreffens gehörte auch Vivian Weißmüller, kaufmännische Geschäftsführerin und alleinige Gesellschafterin der Garten- und Landschaftsbau Weißmüller GmbH & Co. KG mit rund 100 Mitarbeitenden. Die Unternehmensnachfolge übernahm sie offiziell Anfang 2023, nachdem sie bereits seit 2021 schrittweise Verantwortung im Familienunternehmen übernommen hatte. Als Meisterin und Technikerin im Garten- und Landschaftsbau sowie mit einem Bachelor in Landschaftsarchitektur und einem Master im Landschaftsbau verbindet sie fachliche Expertise mit unternehmerischem Denken. In ihrem Vortrag „Nachfolge im Familienunternehmen: als Tochter den eigenen Weg finden“ sprach sie über Verantwortung, Generationenwechsel und die Entwicklung eines eigenen Führungsstils. Im Interview erzählt sie, welche Erfahrungen ihren Weg geprägt haben, wie sie Tradition und Veränderung miteinander verbindet und warum Netzwerke für die Zukunft der Branche eine wichtige Rolle spielen.

Frau Weißmüller, Sie haben die Nachfolge in Ihrem Familienunternehmen übernommen und führen heute ein Team von rund 100 Mitarbeitenden. Gab es einen Moment, in dem Ihnen bewusst wurde: „Jetzt gehe ich meinen eigenen Weg“?

Eigentlich wollte ich das Unternehmen zunächst gar nicht übernehmen. Das hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt. Ausbildung und Studium waren später bewusst auf die Unternehmensnachfolge ausgerichtet.

Ein entscheidender Wendepunkt kam, als mein Vater während meines Studiums schwer erkrankte. Die Nachfolge war grundsätzlich geplant, doch plötzlich musste ich deutlich früher als erwartet Verantwortung übernehmen. In dieser Zeit hat sich vor allem mein Blick auf das Unternehmen verändert. Ich habe verstanden, dass ein Familienunternehmen viel mehr ist als Gebäude, Maschinen oder Zahlen. Es sind die Menschen, die den Unterschied machen. Irgendwann wurde mir bewusst, dass wir nicht einfach Menschen beschäftigen, sondern gemeinsam dieses Unternehmen sind. Genau dafür steht auch unser Leitbild: „WIR sind Weißmüller.“

Gemerkt, dass ich meinen eigenen Weg gehe, habe ich deshalb nicht mit der Übernahme einer bestimmten Position. Sondern in dem Moment, als ich begonnen habe, das Unternehmen wirklich als meine Verantwortung zu sehen und gemeinsam mit unserem Team weiterzuentwickeln.

Zwei Personen in roten Poloshirts stehen nebeneinander vor hellem Hintergrund.
Generationenwechsel gelingt dort besonders gut, wo Erfahrung und neue Impulse zusammenkommen.

In Ihrem Vortrag sprechen Sie darüber, als Tochter den eigenen Führungsstil zu entwickeln. Wie gelingt es Ihnen, die Traditionen eines Familienunternehmens zu bewahren und gleichzeitig neue Impulse zu setzen?

Tradition bedeutet für mich nicht, alles genauso weiterzumachen wie früher. Viel wichtiger ist es, die Werte zu bewahren, die ein Unternehmen stark gemacht haben. Bei uns sind das Verlässlichkeit, ein familiärer Umgang miteinander und ein hoher Qualitätsanspruch.

Gleichzeitig verändern sich Märkte, Mitarbeitende und Kundenanforderungen. Deshalb müssen sich auch Strukturen und Prozesse weiterentwickeln. Wir haben in den vergangenen Jahren viele Abläufe modernisiert und unsere Organisation weiterentwickelt.

Dabei ist mir wichtig, die Menschen mitzunehmen und Veränderungen nicht einfach von oben zu verordnen. Ich sehe mich als Brücke zwischen den Generationen: Die Erfahrungen meiner Eltern sind unglaublich wertvoll und gleichzeitig müssen neue Ideen ihren Platz bekommen.

Die grüne Branche wird vielfältiger, dennoch sind Frauen in Führungspositionen nach wie vor nicht selbstverständlich. Welche Veränderungen beobachten Sie aktuell im Garten- und Landschaftsbau?

Ich nehme wahr, dass sich bereits viel bewegt. Es gibt deutlich mehr junge Frauen, die sich bewusst für den Garten- und Landschaftsbau entscheiden – sei es in der Ausbildung, im Studium oder in der Weiterbildung.

Verändert hat sich aus meiner Sicht auch die Sichtbarkeit. Frauen waren schon immer Teil der Branche, waren aber oft weniger präsent in Führungspositionen oder auf Unternehmerveranstaltungen. Heute entstehen Netzwerke und Formate, die genau diesen Austausch fördern. Das ist eine sehr positive Entwicklung.

Trotzdem sind wir noch nicht am Ziel. Ich wünsche mir, dass Frauen künftig ganz selbstverständlich als Unternehmerinnen, Meisterinnen, Bauleiterinnen oder Führungskräfte wahrgenommen werden. Irgendwann sollte niemand mehr überrascht sein, wenn eine Baustelle oder ein Unternehmen von einer Frau geführt wird.

Sie treiben in Ihrem Unternehmen Digitalisierung und moderne Arbeitsprozesse voran. Welche Chancen sehen Sie darin für die nächste Generation von Fach- und Führungskräften im GaLaBau?

Digitalisierung ist für mich kein Selbstzweck. Sie soll uns helfen, besser zu arbeiten. Gerade im Garten- und Landschaftsbau gibt es viele Schnittstellen zwischen Baustelle, Büro, Planung, Kalkulation und Maschinen. Wenn Informationen schneller verfügbar sind und Prozesse sauber ineinandergreifen, sparen wir Zeit und vermeiden Fehler.

Für die nächste Generation eröffnet das große Chancen. Moderne Führung bedeutet heute nicht nur, Baustellen zu organisieren, sondern auch Daten sinnvoll zu nutzen, Prozesse zu verstehen und Menschen miteinander zu vernetzen.

Mindestens genauso wichtig ist aber der Austausch untereinander. Viele Herausforderungen beschäftigen nicht nur ein einzelnes Unternehmen. Deshalb profitieren gerade junge Unternehmerinnen und Unternehmer von Netzwerken, in denen offen über Marktentwicklungen, Mitarbeiterführung oder unternehmerische Entscheidungen gesprochen wird. Digitalisierung und Vernetzung gehören für mich deshalb eng zusammen.

Welchen Rat würden Sie jungen Frauen geben, die eine Führungsrolle übernehmen oder die Nachfolge in einem Familienunternehmen antreten möchten?

Mein erster Rat wäre: Versucht nicht, eine Rolle zu spielen. Gerade als junge Frau in einer Führungsposition hat man manchmal das Gefühl, besonders hart, laut oder perfekt sein zu müssen. Das halte ich für den falschen Weg. Man muss nicht alles sofort können. Aber man sollte bereit sein zu lernen, Fragen zu stellen und Verantwortung zu übernehmen. Außerdem sollte man sich ein Netzwerk aufbauen. Ich habe enorm davon profitiert, Menschen zu haben, mit denen ich mich ehrlich austauschen kann.

Für die Unternehmensnachfolge gilt aus meiner Sicht: Habt Respekt vor dem, was aufgebaut wurde, aber habt keine Angst davor, Dinge anders zu machen. Ihr tretet nicht an, um eine Kopie der vorherigen Generation zu werden.

Und vielleicht der wichtigste Punkt: Traut euch selbst etwas zu. Es wird immer Menschen geben, die erklären wollen, warum ihr zu jung, zu unerfahren oder nicht der richtige Typ für eine Führungsposition seid. Man muss nicht jede Meinung zu seiner eigenen machen. 

Person hält Vortrag vor Publikum bei women@GaLaBau Veranstaltung im Saal.
Formate wie women@GaLaBau bieten Raum, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen.

Autor

Portrait Johanna Köhler
Johanna Köhler